Tomas Sedlacek, Oliver Tanzer

Lilith und die Dämonen des Kapitals

Die Ökonomie auf Freuds Couch
Cover: Lilith und die Dämonen des Kapitals
Carl Hanser Verlag, München 2015
ISBN 9783446444577
Gebunden, 352 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

"Die Dämonen des Kapitals" seziert unser Wirtschaftssystem und zeigt: Es ist zutiefst gestört. Viele glauben: Die Wirtschaft funktioniert nach den Gesetzen der Logik. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Wirtschaft wird erschüttert von immer neuen Krisen, ihre Akteure - Notenbanker, Manager, Politiker - sind oft getrieben von Wahnvorstellungen und Persönlichkeitsstörungen. Wer die Ökonomie wirklich verstehen will, muss sie durch die therapeutische Brille betrachten. Tomás Sedlácek und Oliver Tanzer legen unsere Wirtschaft auf die Couch und kommen zu überraschenden, aber auch verstörenden Einsichten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2015

Einen besonderen Liebhaber der Bücher von Tomas Sedlacek möchte man den Rezensenten Wolfgang Streeck wahrlich nicht nennen, bezeichnet er den Autor doch schon mit Blick auf die vorherigen Werke als zu "erbarmungsloser Koketterie neigenden Namedropper". Das nun gemeinsam mit dem Journalisten Oliver Tanzer verfasste Buch "Lilith und die Dämonen des Kapitals" scheint den Kritiker aber zu Höchstleistungen anzutreiben: Schon die Idee, die Ökonomie einer Psychoanalyse zu unterziehen und ihr eine Vielzahl von psychischen Defekten zu attestieren, findet Streeck reichlich sonderbar. Dass die Autoren darüber hinaus aber weder zwischen Freud und Jung noch zwischen Ökonomie und Kapitalismus unterscheiden, gibt dem Rezensenten den Rest. Und so holt er zum verbalen Vernichtungsschlag aus: "Disziplinlose", an den Haaren herbei gezogene Gedankengänge in "geschwätziger" Prosa voller Kitsch und Geschmacklosigkeiten und dabei den "Gut gesagt-Zettelkasten" komplett ausgeschöpft, urteilt der Kritiker, der die Verschwendung seiner Lebenszeit gewaltig übel nimmt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2015

Nicht wirklich überzeugt ist die hier rezensierende Philosophin und Volkswirtin Lisa Herzog vom "wilden Reigen", den der Prager Ökonom Tomáš Sedláček und der österreichische Journalist Oliver Tanzer hier in Buchform vorlegen. Konzise Analysen und empirische Belege sucht sie vergeblich, stattdessen sei das Werk "assoziativ verfasst", indem es Verbindungen der Mythologie, Psychoanalyse und Popkultur zum kapitalistischen Wirtschaftssystem suche. Viele Erkenntnisse der Autoren sind der Rezensentin bereits bekannt, ihrer Meinung nach gehören sie längst zum Standardrepertoire linker Kapitalismuskritik. Des weiteren findet sie "Ungenauigkeiten und wüste Spekulationen". Am Ende lässt die Kritikerin aber doch Milde walten: Es brauche Querdenker wie Sedláček mit ihrem ungewöhnlichen Blick auf die Ökonomie, so Herzog, und letztlich sei auch in diesem Buch für jeden irgendetwas dabei, das zum Nachdenken anregen könne.
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