Die Königin von Saba ist eine große mythische Gestalt und gleichwohl eine Herrscherin ohne Namen. Wenn Sie eine historische Figur gewesen ist, so wird ihre Heimat im Sabäer-Reich im Süden Arabiens bzw. Norden Äthiopiens gelegen haben. Erstmals wird sie im Alten Testament erwähnt: Die Königin, der große Weisheit und unermesslicher Reichtum zugeschrieben werden, reist zu Salomon nach Jerusalem. Beeindruckt von dessen Weisheit und seiner Hofhaltung schenkt sie ihm 120 Zentner Gold und Edelsteine. Auch im Neuen Testament taucht sie wieder auf, im Koran und in jüdischen Quellen. Nach äthiopischer Überlieferung ist ihr mit Salomon gezeugter Sohn der Stammvater der äthiopischen Könige - bis hin zu Kaiser Haile Selassie im 20. Jahrhundert. Ulfrid Kleinert folgt den Spuren dieser mythischen Königin, untersucht, wie die Geschichte von ihr und Salomo entstanden ist und erzählt von ihrem Nachwirken in der Literatur und in der Kunst - der abendländischen, der morgenländischen und auch der äthiopischen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2015
Ulfrid Kleinerts Thesen findet Dieter Bartetzko zwar kühn, als Fantasy abhaken möchte er den Band über die mythische Monarchin von Saba aber dennoch nicht. Als Heilige, Hure, Staatsgründerin und Vamp bringt der Autor dem Rezensenten die Königin nahe und folgert, dass Haile Selassie, Bob Marley und sämtliche Rastalockenträger ihr huldigen. Bartetzko allerdings hat einen anderen Grund, Kleinerts Buch nicht zu verdammen. Für ihn ist die Königin von Saba das Paradebeispiel einer Pathosformel im Sinne Aby Warburgs, verrätselt über beide Ohren, aber in aller Leute Bewusstsein, genau wie Semiramis, Salambo und Salomé, schließt Bartetzko.
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