Der wahre Architekturkritiker, hat Ulrich Conrads einmal gesagt, kenne nur einen Maßstab, den Maßstab 1:1. Der Kritiker lasse sich zwar im Vorhinein von glänzend gesehenen Fotos informieren, jedoch nicht täuschen, denn er arbeite an Ort und Stelle. Er berichte nur über Bauten, die er selbst aus wechselnden Distanzen gesehen, mehrmals umschritten und all ihre Räume und Raumfolgen von den Kellern bis unters Dach in Ruhe begangen hat.Eine notwendige Ergänzung: Der wahre Architekturkritiker beschränkt sich nicht auf sein Ressort. Ulrich Conrads hat seine Texte stets als Einmischung in die öffentliche Debatte über Architektur und Stadt verstanden. Als kritisches Reden über das, was vielfach als nicht zur Sache gehörend beschwiegen wird.Der Band versammelt Artikel, Aufsätze, Vorträge und Briefe Ulrich Conrads aus den Jahren 1956-2006 zu zeitgenössischen Gebäuden, wie der Kirche Le Corbusiers in Ronchamp und bedeutenden Architekten der Zeit, wie beispielsweise Hans Scharoun.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.04.2007
Mit großer Freude hat Lore Ditzen die Sammlung von Aufsätzen des Kunstwissenschaftlers und Architekturkritikers Ulrich Conrads aus 50 Jahren gelesen und bewundert die präzise Beobachtungsgabe, den pädagogischen Anspruch und das Engagement für eine bessere architektonische Gestaltung unserer Lebenswelt, die sich darin niedergeschlagen haben. Die Reflexionen und zitatreichen Beobachtungen Conrads seien ein echtes Vergnügen, schwärmt die Rezensentin, die beispielsweise den Text zu Le Corbusiers Kapelle in Ronchamps von 1965 als bestes Exempel für die geduldige Beobachtungsgabe und die maßvolle Kritik Conrads auch an den Mängeln des Bauwerks hinstellt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.03.2007
"Überraschend" aktuell seien viele der Beobachtungen und Gedanken Ulrich Conrads, obwohl sie bis zu 50 Jahre alt seien. Der Autor habe sich immer schon unabhängig gezeigt von den "Standards" des Architekturfeuilletons. Als Konstante im Denken Conrads erkennt Rezensent Jürgen Tietz das Insistieren auf einer städtebaulichen Perspektive auch beim Einzelbau, und kein Geringerer als Hans Scharoun werde als "Baublock-Fetischist" abgewatscht. Als Steigerung solcher aktueller und doch alter Einsichten Conrads pickt der Rezensent einige "visionäre" Überlegungen heraus, beispielsweise zur "Krise des Sakralbaus" aus dem Jahr 1969. Auf den Leser warte ein ganzer "Kosmos" an kulturellen Bezügen, durch den Ulrich Conrad, bemüht der Rezensent ein architektonisches Bild, "sicher" wie durch ein Labyrinth geleite.
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