Ulrich Drüner

Richard Wagner

Die Inszenierung eines Lebens
Cover: Richard Wagner
Karl Blessing Verlag, München 2016
ISBN 9783896675637
Gebunden, 832 Seiten, 34,99 EUR

Klappentext

Mit 120 SW-Abbildungen. Nach heutigen Maßstäben hätte Wagner spätestens 1855 mit den Erfolgen von Rienzi und Lohengrin finanziell ausgesorgt haben müssen. Statt dessen musste er Bettelbriefe schreiben und Mäzene suchen, wegen seiner Sucht nach Luxus, aber auch, weil das frühe 19. Jahrhundert ernsthafte Komponisten schlechter entlohnte als spektakuläre Virtuosen. Wagner gelang es, um sich und sein Schaffen einen Mythos zu kreieren, der ihm neue finanzielle - und künstlerische - Möglichkeiten eröffnete. Zu diesem Mythos gehörte, dass Richard Wagner als deutscher Künstler von der jüdischen Presse ungerecht behandelt, von dem jüdischen Komponisten Meyerbeer getäuscht und von dem jüdischen Musikverleger Schlesinger ausgebeutet wurde - faustdicke Lügen, wie Ulrich Drüner aus den Quellen zeigt. So wie Luxus, Seide und Parfüms, weibliche Zuneigung, tiefe Freundschaften (Nietzsche, Liszt) brauchte Wagner zum Komponieren sehr lange diesen antisemitischen Impuls. Zu seiner Selbstinszenierung gehörte auch das Rezitieren und Deklamieren seiner Dichtung im engsten Kreise, woraus er die Sprachmelodie und die Inspiration gewann. Diese Biografie zeigt, wie Wagner nicht nur als Komponist, Regisseur und Dirigent wegweisend wirkte, sondern auch das Berufsbild des sich immer wieder neu erfindenden Intellektuellen in Deutschland maßgebend prägte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.11.2016

Es mag schon Lob genug sein, dass Rezensent Robert Jungwirth die neue Wagner-Biografie nach den zahlreichen Vorgängerinnen nicht für überflüssig befindet, sondern ganz im Gegenteil als äußerst bereichernd. Auch wenn nicht jede These ihn restlos überzeugen kann und es dem Text mitunter an sprachlicher und inhaltlicher Einheitlichkeit mangelt, so bleibt am Ende doch ein überraschend positiver Eindruck, freut sich der Rezensent. Hervorhebenswert findet er die sehr differenzierte Aufmerksamkeit, die Drüner Wagners offensichtlich und regelmäßig zur Schau gestelltem Antisemitismus schenkt. Überhaupt, meint Jungwirth, wird der abwägende, unideologische Blick auf den Komponisten dem Schaffen und der Person Richard Wagner auf jeden Fall eher gerecht als polarisierende Darstellungen wie sie bei Wagner oft üblich seien.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 25.07.2016

Das Wagner-Jahr 2013 hat zwar eine Menge bedrucktes Papier produziert, aber das eigentliche Ereignis der Wagner-Biografik kommt erst jetzt, freut sich Rezensent Manuel Brug, der Drüners Biografie ohne Reserven feiert: Sie sei materialreich, aber erzählerisch, von Liebe zu Wagner getragen, aber nicht liebedienerisch, musikalisch bewandert, aber für Laien gut zu lesen, nicht nur musikhistorisch interessant, sondern auch einschlägig über Ideengeschichte und Kunstideologie des 19. Jahrhunderts informierend. Es gebe zwar "nur im Detail frappant Neues", aber das spreche eher für die Seriosität von Drüners Arbeit. Trotzdem, so Brug, wird mit einigen von Wagner selbst erfundenen und bis heute weitererzählten Mythen aufgeräumt: etwa mit dem der Armut in den Pariser Jahren. Auch das Thema Antisemitismus umgeht Drüner laut Brug nicht - der Autor scheue sich nicht, ihn auch inhaltlich in den Opern nachzuweisen. Und trotz allem überwiegt bei Autor wie Rezensent die Liebe zu diesem visionären Theatermann und seinen quicklebendigen Opern, von denen sich bis heute so viel lernen lässt!

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2016

Mit Wagner-Apologetik haben der Autor und sein Buch nichts am Hut, stellt Rezensentin Eleonore Büning klar. Ulrich Drüner hingegen bereichert die übersatte Wagner-Biografik mit guter Recherche, Liebe zur Musik und spannender Lektüre, versichert sie. Immerhin kann ihr der Autor aus seiner legendären Wagneriana-Sammlung überraschendes Bildmaterial hervorzaubern, apokryphe Textquellen, wie eine Wagner-Karikatur von Franz von Lenbach, die Wirklichkeit und Legende trennt, und allerhand andere Korrektive zum offiziellen Wagner-Bild. So erfährt Büning von Drüner, dass Wagner ein Freund der Lügen und Fälschungen war, seine Pariser Hungerjahre ins Reich der Mythen gehören und der Antisemitismus beim Meister kontinuierlicher, als es dem Fan lieb sein kann. Dass der Autor bei aller Schonungslosigkeit Wagners Musik nicht denunziert, rechnet sie ihm hoch an.
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