Weit bekannt ist die Anekdote, dass die Mafiadarsteller aus den Hollywoodfilmen ihre realen Vorbilder dahingehend beeinflusst haben, die Waffen schräg und nicht gerade zu halten. Und der Erfolg von Roberto Savianos Büchern über die Gomorrha und die Kinderclans zeugt von einem weit über Italien hinausreichenden Interesse der bürgerlichen Gesellschaft an der Struktur und den Geschichten des organisierten Verbrechens. Aber wie viel Mafia erzählt die Literatur und wie viel Literatur steckt in der Mafia? Diese auf ethnologischer Feldarbeit und literarurwissenschaftlicher Theorie gründende Reflexion liest die Werke der Briganten-Literatur, erzählt von den Paten, die ihre eigene Geschichte in Versform verfassen. Mafiakultur ist ein Sammelbegriff, der von einem Zusammenschluss außerhalb des Staates und abseits der Wohlhabenden handelt, von einer revolutionären Kraft, die auf konservativen Werten fußt: Familie, Liebe, Ehre und Rache, wo sie eben geboten ist. Es ist die Möglichkeit, die eigenen Verhältnisse zumindest in der Vorstellung zu überwinden und Teil einer Geschichte zu werden, deren Fortschreibung eng mit der Literatur über sie verbunden ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2021
Rezensent Andreas Rossmann informiert sich mit dem Buch des Ethnologen Ulrich van Loyen über die Gründungsmythen der Mafia. Der Autor untersucht laut Rossmann in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Mafia und Literatur auf so anregende und nicht nur wissenschaftliche Weise, dass dem Leser laut Rossmann die ganze folkloristische Mentalität und die Ambivalenzen der kriminellen Vereinigungen Süditaliens und ihre Geschichte besser, wenngleich nicht gänzlich neu einleuchtet. Bedauerlich scheint dem Rezensenten das Fehlen einer Bibliografie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.11.2021
Rezensent Burkhard Müller hält Ulrich van Loyens Buch über die Mafia für gelungen, weil der Autor das Phänomen Mafia über seine Projektionen und Phantasmagorien angeht. Daher der an Nietzsche angelehnte Titel, erklärt Müller. Gelungen scheint ihm auch der assoziative, immer wieder neu ansetzende Gestus des Textes, der zwar keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben, aber den Leser dennoch bei der Stange halten kann, wie Müller versichert. Das "Fluidum" um die Mafia erklärt der Autor mit einem Schuss Wehmut, wie über etwas Vergangenes, meint Müller.
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