Urs Faes

Paarbildung

Roman
Cover: Paarbildung
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2010
ISBN 9783518421710
Gebunden, 192 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Eigentlich ist Andreas Lüscher Unfallpsychologe. Seit er jedoch eine Stelle als Gesprächstherapeut in der onkologischen Abteilung eines Krankenhauses angetreten hat, bestimmen Vokabeln aus der Krebstherapie seinen Arbeitsalltag: Dosisfraktion, Rezidivrisiko, Paarbildung. Ihn, der lieber beobachtet als mittendrin steht, der lieber Distanz wahrt, als zu nahe zu kommen, fasziniert das Verhältnis zwischen Patient und Arzt, die Bedeutung von Kommunikation, von Worten. Bis er eines Tages auf die Krankenakte einer Patientin stößt, deren Name ihm vertraut ist: Mit Meret Etter hat ihn vor Jahren eine intensive Liebe verbunden, sie ist eine Frau, die mitmischte bei den Zürcher Jugendunruhen, die sich beim Harfespielen selbst vergessen konnte, eine Juristin, die mit Leidenschaft gegen das Unrecht kämpfte. Jetzt steht ihr ein Kampf ganz anderer Art bevor. Und es ist die Frage, ob die Wiederbegegnung mit Andreas Lüscher, nach sechzehn Jahren des gegenseitigen Schweigens, ihr ihre Lage erleichtert. Und ob es klug ist, wenn sich beide mit den Gründen für dieses Schweigen auseinandersetzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.12.2010

Meike Fessmann hat diesen Roman von Urs Faes mit Anteilnahme und Sympathie gelesen, auch wenn sie feststellen muss, dass er manchmal etwas betulich daherkommt. Erzählt wird die Wiederbegegnung eines ehemaligen Paares auf der Krebsstation eines Zürcher Krankenhauses, wo sich Meret als Patientin und Andreas als Gesprächstherapeut befinden, erklärt die Rezensentin. Sie lobt, wie plastisch und zugleich einfühlsam der Autor vor Augen führt, wie die Krankheit im Krankenhaus zur physischen "Enteignung" führt. Faes hat als Auftragsschriftsteller die Arbeit auf einer radioonkologische Krankenstation beobachtet, und so kann er in seinem Buch nicht nur die Krankheit selbst, sondern auch die Situation der Patientin sehr überzeugend darstellen, findet die Rezensentin. Das tröstet sie dann auch darüber hinweg, dass manches in diesem Roman vielleicht ein bisschen zu glatt aufgeht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2010

Erstbegegnung im Zeichen des politischen Widerstands: Meret revoltiert, es ist das Jahr 1981, der strebsame Andreas findet sie blutend auf Zürichs Straßen. Wiederbegegnung anderthalb Jahrzehnte später, in einer Krebsklinik. Meret hat Brustkrebs, Andreas betreut sie als Psychologe. Jetzt aber beginnt die wirkliche Liebesgeschichte. Bewundernswert findet es Nicole Henneberg, wie Urs Faes Krankheit und Liebe, die Liebe im Zeichen der Krankheit, in seinem für den Schweizer Buchpreis shortgelisteten Roman zusammenbringt. Gesprochen wird wenig, geschildert würden die Menschen, werde die Landschaft und werde das Licht dafür "geduldig und präzise". Die ausdrücklich an Michelangelo Antonionis filmischen Schweigeetüden orientierte Bildsprache nimmt der Rezensentin in ihrer Intensität überdies fast den Atem.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.09.2010

Der neue Roman von Urs Faes ist alles andere als aufgesetzte Betroffenheitsliteratur, freut sich Rezensentin Sibylle Birrer. In "Paarbildungen" ereilt Meret die Diagnose Brustkrebs, und sie begegnet während ihrer Strahlenbehandlung dem Gesprächstherapeuten der Onkologie, ihrem ehemaligen Lebensgefährten Andreas. Fiktionales Schreiben über Schicksale von Kranken wirke oftmals prätentiös oder anmaßend, findet die Rezensentin, aber Faes meistere diese Herausforderung mit guten Gespür für Dramaturgie und einer klaren Sprache ohne jeglichen Pathos: Er lasse die Figuren in "präzise verknappten Stimmungsbildern" für sich sprechen. Man spüre, so die empathische Birrer, dass Faes seine Sensibilität für das Thema Krebs aus eigener Erfahrung speise, und das biete die Grundlage für einen authentischen Roman.
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