Sternenmenschen
Bowie in Gugging

Starfruit Publications, Nürnberg 2025
ISBN
9783922895671
Gebunden, 248 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Herausgeben vom Institut für moderne Kunst, Nürnberg. Mit 31 Schwarzweiß-Abbildungen. Sternenmenschen sind Menschen, die außerhalb stehen und für uns unerreichbar bleiben. Dabei kann es sich um einen Popstar wie David Bowie handeln, aber auch um soziale Außenseiter wie die sogenannten "Künstler aus Gugging" - in der Niederösterreichischen Landesnervenklinik Gugging dauerhospitalisierte Menschen, bei denen der Psychiater Leo Navratil eine besondere künstlerische Begabung erkannte und förderte. Künstler wie August Walla, Ernst Herbeck, Oswald Tschirtner oder Edmund Mach, die heute weithin bekannt sind, deren seelische Krankheit jedoch einen schier unüberwindbaren Graben zu uns "normalen" Menschen bildet. Faszinierend wird es, wenn sich diese Welten unverhofft überschneiden. Im September 1994 besuchte David Bowie zusammen mit Brian Eno die Gugginger Anstaltspatienten, auf der Suche nach Inspiration für die Arbeit an seinem Album "1. Outside" (1995). Dass sie dabei von der Fotografin Christine de Grancy begleitet wurden, ist ein Glücksfall. Ihre Aufnahmen zeigen den Popstar von einer bislang unbekannten und sehr persönlichen Seite. Wir begegnen einem nachdenklichen Mann mit ehrlichem Interesse am Schicksal der Gugginger Patientenkünstler.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 19.09.2025
Mit diesem mit Fotografien von Christine de Grancy "angenehm zurüchhaltend" bebilderten Essay begibt sich Uwe Schütte auf "eine tastende und doch thesenverliebte Suche" nach den Spuren eines von der breiten Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommenen Besuchs David Bowies in der Niederösterreichische Landesnervenklinik in Gugging in den Neunzigerjahren, schreibt Rezensentin Stephanie Grimm. Dort, wo heute das Museum Gugging beheimatet ist, ermordeten die Nazis behinderte Menschen. In den fünfziger Jahren wurde Gugging im Zuge therapeutischer Maßnahmen zu einem Ort für Außenseiterkunst, wie die Rezensentin darlegt. Auch etablierte Künstler waren dort willkommen, sofern sie sich dezent verhielten, erfahren wir weiter, wie auch, dass Bowie es sehr genoss, dort verhältnismäßig anonym mit den Künstlern arbeiten zu können. So sehr die Rezensentin von dieser wenig bekannten Episode im Leben Bowies auch fasziniert ist, so spürbar ist allerdings auch, dass Schüttes "bisweilen arg muskulös mäandernde Assoziationsketten" sie bei der Lektüre etwas nervten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2025
Rezensentin Rose-Maria Gropp findet Uwe Schüttes Versuch einer Einordnung von Bowies Besuch in der Nervenklinik Gugging im Jahr 1994 einerseits spannend, andererseits oft überzogen. Bowies Besuch bei den Art Brut Künstlern in Gugging in den Kontext der Geisteskrankheit von Bowies Halbbruder Terry zu stellen etwa erscheint Gropp gewagt. Der Essay bietet auch Lebensläufe der Gugginger Künstler und eine Geschichte der Nervenklinik Gugging, erklärt Gropp. Am besten gefällt ihr Christine de Grancys Fotodokumentation des Gugginger Besuchs, die in den Band aufgenommen wurde. Im Gegensatz zu Schüttes "muskulösem" Text sind sie angenehm zurückhaltend, findet Gropp.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 02.06.2025
Dieses Buch von Uwe Schütte empfiehlt Rezensent Tobias Lehmkuhl nicht nur für David Bowie-Fans: Das essayistisch angelegte Werk nimmt seinen Ursprung im Besuch des Musikers in der Nervenheilanstalt Gugging bei Wien, wo schizophrene Patienten dadurch behandelt wurden, dass man sie künstlerisch tätig sein ließ. Bowies Bruder war ebenfalls schizophren, lesen wir, auch das beleuchtet Schütte. Zudem macht er die Verbindungen deutlich, die zwischen diesem Besuch und dem nachfolgenden Album "Outside" bestanden. Auch Bezüge zu Yayoi Kusama und W.G. Sebald stellt Schütte in diesem überzeugenden und interessanten Essay her, schließt der zufriedene Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.04.2025
Rezensent Bernd Noack annonciert ein ganz besonderes Buch mit diesem Werk, für das der Germanist Uwe Schütte David Bowies zweitägigen Besuch in der als "Haus der Künstler" bekannten Nervenheilanstalt Gugging bei Wien rekonstruiert. Im Jahr 1994 traf Bowie hier auf die psychisch erkrankten Männer, während zusammen gelacht und geplaudert wurde, zeichnete Bowie die Männer, die Erfahrung flossen schließlich in seine Album "Outside" mit ein, informiert uns der Kritiker. Mit Gewinn liest Noack zudem die Ausführungen von Schütte, der selbst in Gugging zu Besuch war, und nicht nur das Anstaltsleben "atmosphärisch" beschreibt, sondern sich auch mit der sogenannten "art brut" auseinandersetzt. Die ausgezeichneten Fotos der Künstlerin Christine de Grancy, die nicht nur Bowie, sondern auch die Bewohner der Heilanstalt fotografiert, runden den Band für Noack perfekt ab.