Die Pfropfung ist eine seit der Antike gängige Technik des Land- und Gartenbaus: Verschiedenartige Pflanzen werden miteinander verbunden, um Qualität und Ertrag zu steigern. Zugleich bündeln sich im Konzept der Pfropfung zentrale Fragen der Kulturtheorie wie das Verhältnis von Natur und Kultur, Mensch und Umwelt, Mensch und Maschine. Darüber hinaus hat die Pfropfung aber auch in vielen anderen Disziplinen als Metapher Karriere gemacht. Der Kulturwissenschaftler Uwe Wirth führt die aktuellen kultur- und medienwissenschaftlichen Diskussionen zusammen und zeigt, dass das "Prinzip Pfropfung" in Theorie und Praxis allgegenwärtig ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2026
Rezensent Andreas Kilcher stellt ein theoretisch ambitioniertes Buch vor, in dem Uwe Wirth am Modell der landwirtschaftlichen "Pfropfung" eine Kulturtheorie entwickelt. Kultur erscheint hier nicht als homogenes Ganzes, sondern als Ergebnis einer Propfung, also einer "nicht-sexuellen" Kopplung (im Gegensatz zur Hybridität), bei der Differenzen erhalten bleiben, lesen wir. Wirth überträgt das Modell auf Sprache, Literatur, Medien, Wissenschaft und Migration und bewegt sich dabei laut Rezensent souverän im Vokabular von Inter-, Trans- und Posttheorien. Das ist erkenntnisreich, aber auch "nicht gerade leicht lesbar" und bisweilen begriffspolitisch verwirrend, findet der Kritiker. Auch der nicht geschulte Leser von Kilchers Kritik kann den folgenden Ausführungen nur noch bedingt folgen: Wirths These läuft jedenfalls darauf hinaus, in den Erscheinungsformen von Kultur ein heterogenes Drittes zu sehen, ein "frankensteinsches Monstrum gepfropfter Transplantation", schreibt Kilcher, der insgesamt recht angetan zu sein scheint.
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