Die Bühnendespoten sind die Feinde des medialen Gutmenschentums. Sie sind die bösen Männer und Frauen des Entertainment, die in ihren Bühnenshows am ausfransenden Rand einer spektakulären Gesellschaft ein Spiel um Macht und Dominanz inszenieren und mit Formen körperlicher und verbaler Gewalt ein Publikum in ihren Bann ziehen. Als Show-Vorsteher sind sie zwielichtige Gestalten, die ihre theatralischen Gebilde gegen den Ansturm des Realen behaupten müssen. Ihre lustvollen Darstellungen von Macht und Ohnmacht beinhalten immer auch die Möglichkeit des eigenen katastrophalen Scheiterns. Die historische Entwicklung dieser Figuren reicht von Randphänomenen der Populärkultur, wie Schaustellern, Wunderdoktoren und Wild-West-Hasardeuren, über Minstrel, Freak Show, Circus Side Show, Black Comedy und politischen Stand-up, bis hin zu einem erweiterten Show-Begriff in Sport, Musik, Wirtschaft und Politik.
Julian Weber berichtet beeindruckt von der Lektüre dieses Buches von Veit Sprenger über die Late-Night-Talker ("Showvorsteher"), enthält sich allerdings eines direkten Urteils. Wie Weber berichtet sind die "Despoten der Bühne" für Sprenger doppeldeutige Figuren, die zugleich vom Größenwahn geleitet werden und ihre eigene Lachhaftigkeit inszenieren. Sprenger erklärt dieses Phänomen aus der amerikanischen Form der Performance-Arts, die sich nicht aufs Theater beschränkt, sondern auch den Zirkus umfasst und deshalb "Straßenverkäufertricks, Slapsticknummern, Theorieversatzstücke und Slang" zum üblichen Repertoire rechnet. Damit sei der Performance-Künstler "Lassowerfer und Wunderheiler" zugleich. Sie sind aber auch unseriöse, oft abstoßende Charaktere, die sich vom politischen Despoten dadurch unterscheiden, dass sie ja bloß spielen - mit dem "Jargon des Totalitären". Oder wie David Letterman zitiert wird: "I'm not a talkshow host, I play one on tv".
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