Veza Canetti

Der Fund

Erzählungen und Stücke
Cover: Der Fund
Carl Hanser Verlag, München 2001
ISBN 9783446199880
Gebunden, 326 Seiten, 23,52 EUR

Klappentext

Zwölf Erzählungen und zwei Stücke aus dem Nachlass von Veza Canetti. In den dreißiger Jahren hatte Veza Canetti mit ihren Erzählungen eine in Lokalkolorit und Sprachstil ganz unverwechselbare Wiener Welt inszeniert: Eine alte Lady findet in mörderischen Krimis Zuflucht vor der Realität des Krieges, ein Einbrecher wünscht sich nichts sehnlicher, als ins Gefängnis zu kommen, ein Millionär muß unter der Fuchtel seiner Frau gestohlene Krawatten ins Kaufhaus zurückbringen. Das Nachwort von Angelika Schedel gibt Auskunft über das Leben Veza Canettis und die Geschichte ihrer Entdeckung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.08.2002

Seit gut zehn Jahren erfährt das Werk von Veza Canetti, der Ehefrau von Elias Canetti, größere Aufmerksamkeit, freut sich Judith von Sternburg, denn die Rezensentin kann nicht ganz nachvollziehen, warum Elias Canetti den Nachlass seiner 1963 verstorbenen Frau so zögerlich zur Veröffentlichung freigab. Nun hat der Hanser-Verlag, informiert die Rezensentin, einen fünften und vorerst letzten Band mit zwölf Erzählungen und zwei Theaterstücken herausgegeben, die Sternburg recht unterschiedlich bewertet. Zwei Drittel dieser Werke seien hier zum ersten Mal veröffentlicht, fast alle findet Sternburg sehr gelungen, denn stets habe Canetti "äußerlich und innerlich beschädigte Menschen" im Blick. "Gründlich missraten" findet sie einzig die "bizarr und kopflastig konstruierte" Erzählung "Flucht vor der Erde", alles andere gehe weit über "gekonnt Anekdotisches" hinaus und erinnere in manchen Passagen an Canettis Erzählband "Die gelbe Straße". Der Band, so Sternburg, runde die Herausgabe der Werke Veza Canettis nicht einfach "formal" ab, sondern lade gleichzeitig zu einem "flotten Spaziergang mitten hindurch" ein.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.02.2002

Die Sammlung mit Texten und Stücken aus dem Nachlass scheint das vorerst letzte Wort von Veza Canetti zu sein, der Ehefrau von Elias Canetti, die, obwohl sie nach Zeugnissen ihres berühmten Mannes an seinen Werken gut zur Hälfte beteiligt war, weitaus weniger in ihrem eigenen literarischen Schaffen beachtet wurde, bedauert Hans-Peter Kunisch. Der hofft weiterhin, dass zwei verschollene längere Prosatexte noch ihrer Veröffentlichung entgegensehen, begnügt sich aber bis dahin mit dem vorliegenden Band mit einer ganzen Reihe von kurzen Texten. Die seien allerdings so unterschiedlich, meint der Rezensent, dass er sie nicht umfassend einheitlich beurteilen kann. Einige dieser Texte seien Anfang der dreißiger Jahre in der Wiener "Arbeiterzeitung" erschienen und entsprechend sozialistisch angehaucht, andere "klassisch vielschichtig modelliert" wie bei Arthur Schnitzler. Und es gibt auch, informiert Kunisch, "bitterböses Drastisches", etwa die autobiografisch geprägte Erzählung über ein englisches bigottes Pfarrerpaar, das Flüchtlingen Zuflucht gewährt, ihnen aber zugleich kräftig das Geld aus der Tasche zieht und sie auch noch schlecht behandelt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2001

Bei Rezensent Alexander Bartl haben die Erzählungen der Ehefrau von Elias Canetti einen nicht unerheblichen Eindruck hinterlassen. Zwar sei die Zeit, die bis zu ihrer Wiederentdeckung in den 90er Jahren verstrichen sei, nicht ganz spurlos an ihnen vorübergegangen. Trotzdem findet Bartl die Erzählungen "im Verborgenen gereift" und in manchem eben doch sehr zeitgemäß. Alles in allem sei Veza Canettis Werk "ein reicher Fund", ein Lob, das sich nicht auf diesen jüngsten Band beschränkt. Besonders Canettis Sprache wird wegen der bündigen Darstellungskraft vom Rezensenten sehr geschätzt. Jeder Satz wirkt auf ihn "wie eine Sprachrampe" für das Hirn des Lesers. Den Erzählungen ist nach Ansicht des Rezensenten "ein einziges Thema" gemein: Die Kluft zwischen Reichen und Armen, zwischen denen, die alle Möglichkeiten und denen, die keine haben.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001

Wieder mal ein Paar, wo sie ihre schriftstellerische Tätigkeit hintan gestellt und ihre Ideen lieber in sein Werk miteingebracht hat. Weil sie es so wollte, behauptet Franz Haas von Veza Canetti, der Frau von Elias Canetti. Ihre schriftstellerischen Arbeiten wurden erst peu à peu und lange nach ihrem Tod herausgegeben. Nun liegt der vorerst letzte Band einer kleinen fünfbändigen Reihe vor, und der enthält nichts Sensationelles, wie Haas berichtet. Keine der meistenteils unveröffentlichten Erzählungen und auch nicht die beiden im Band enthaltenen Theaterstücke reichten an die literarische Qualität der Werke ihres Mannes heran, schreibt Haas; vieles findet er wohl sympathisch, auch treffsicher, andere Arbeiten hingegen zu hölzern oder symbolbeladen. Wirklich erfreut haben ihn drei Erzählungen aus der Zeit des Bombenterrors über England, die Aufschluss über das Leben der Canettis damals geben. Ihr Pseudonym, erfahren wir von Haas, lautete übrigens: Veza Magd.

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…