Mit dem Jahr 1918 verband sich für die Frauen mehr als nur das Kriegsende und der Abschied von einer als einengend empfundenen Gesellschaft. Sie erobern sich neue Bewegungsräume, tragen Bubikopffrisuren und kurze Kleider, genießen die neuen Tänze, Filme und die neuen Freiheiten der Liebe. Die Schriftstellerinnen schildern dieses veränderte Leben, sie schreiben aber auch über die Schattenseiten dieser Aufbruchsjahre. Sie engagieren sich politisch und wenden in journalistischen und literarischen Texten ihre Aufmerksamkeit dem Elend und der Not der Arbeiter/innen und Dienstboten. Der Nationalsozialismus vernichtet diese Aufbruchstimmung, die Erfolge sind nun der Verfolgung ausgesetzt: Der Großteil der Schriftstellerinnen wird zur Emigration gezwungen, einige werden in Konzentrationslagern ermordet. Das Buch präsentiert 15 Autorinnen mit ihren teils abenteuerlichen Lebenswegen und stellt auch jeweils einen ihrer Texte vor.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.02.2003
Dieses Buch über österreichische Schriftstellerinnen, die zwischen 1918 und 1945 lebten und schrieben, schließt nahtlos an einen Band über Autorinnen in der Habsburgermonarchie an, meint Christiane Zintzen in ihrer kurzen Kritik. Sie lobt die "einfühlsamen" biografischen Texte zu den einzelnen Autorinnen durch die Herausgeberinnen und findet, dass die Schriftstellerinnen in ihren Textproben ziemlich plastisch hervortreten. Dafür, dass mancher Name fehlt, äußert die Rezensentin Verständnis, da es sich ja ausdrücklich um ein "Lesebuch" handelt und nicht den Anspruch eines "Kompendiums" hat. Um so mehr hat sie sich gefreut, zwei erst in jüngerer Zeit wieder entdeckte expressionistische Autorinnen - Veza Canetti und Mela Hartwig - darin zu finden. Wirklich "schmerzlich" aber demonstriert der Band für Zintzen, dass nur wenige Autorinnen Naziregime und Krieg in Österreich unbeschadet überstanden haben.
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