Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.01.2005
Carsten Ruhl hatte das Schlimmste befürchtet: Schließlich handelt es sich bei Vittorio Magnago Lampugnani um jenen revisionistischen Architekturhistoriker, der vor zehn Jahren "mit viel Säbelgerassel" in einem Spiegelartikel gegen die architektonische Moderne und für eine "tradierte Gediegenheit" mobil machte. Doch immerhin, so Ruhl, verzichtet der "Inquisitor" in diesem Band auf eine einleitende Darlegung seiner "verstörend fahrlässigen" Ansichten und reiht einfach 130 Textauszüge aneinander, unter anderem sogar von "Querdenkern wie Bernard Tschumi, Daniel Libeskind und Rem Koolhaas". Eine liberale Kehrtwende? Keineswegs, versichert der Rezensent. Lampugnani habe nämlich ausschließlich Beiträge von Architekten versammelt und bestärke damit seine Kampagne der Bewahrung der "Reinheit des professionellen Architekturdiskurses - seit dem 18. Jahrhundert eher in Auflösung begriffen - vor dilettantischer Indoktrination zu bewahren". Fazit: Ein Reader, der sich "als grundlegende Einführung präsentiert", doch in Wirklichkeit Ideologie betreibt.
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