Rousseau
Auf der Suche nach der verlorenen Natur. Eine Biografie

C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406842955
Gebunden, 463 Seiten, 34,00
EUR
Klappentext
Auf der Suche nach der verlorenen Natur: Rousseaus exzentrisches Leben neu erzählt Rousseaus Suche nach einem unverfälschten Naturzustand ohne die Deformationen durch Erziehung, Herrschaft und Privatbesitz fasziniert bis heute. Doch auch ihm war klar: Ein "Zurück zur Natur" gibt es nicht. Volker Reinhardt zeigt in seiner meisterhaft geschriebenen Biographie, wie Rousseau versucht hat, diese Spannung aufzulösen. Er erklärt den exzentrischen Philosophen konsequent aus seiner Zeit und bringt so einen bisher unbekannten, in seiner Zerrissenheit erstaunlich modernen Rousseau zum Vorschein. Ein Leben wie ein Roman: Der Genfer Uhrmachersohn Jean-Jacques ist früh auf sich allein gestellt, lebt bei der wohlhabenden Madame de Warens, wird deren Liebhaber, schlägt sich als Musiklehrer, Domestik, Sekretär und Dichter durch, bis er 1750 mit einer harschen Kritik an Wissenschaften und Künsten berühmt wird und als Schriftsteller zu sich selbst findet: Sein empfindsamer Roman Julie wird zum Bestseller, sein Gesellschaftsvertrag erhitzt die Gemüter, sein Erziehungsroman Emile wird verbrannt. Mit Ruhm und Hass wächst die Paranoia: Aber wurde Rousseau tatsächlich verfolgt? Warum überließ der Erfinder der kindgemäßen Erziehung seine Kinder dem Findelhaus? Volker Reinhardt geht den Rätseln und Widersprüchen in Rousseaus Leben nach und zeigt, wie sehr der von den revolutionären Jakobinern verehrte Vordenker eines "Gemeinwillens" dem Ideal einer patriarchalischen Stadtrepublik anhing.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 25.04.2026
Ein starkes Buch über eine ambivalente Figur: Volker Reinhardt legt eine lesenswerte Darstellung von Leben und Werk Jean-Jacques Rousseaus dar, findet Rezensent Wolfgang Schneider. Der Autor zeigt auf, wie wirkmächtig Rousseaus Schriften zum Beispiel zum Urzustand und zum Gesellschaftsvertrag waren, er widmet sich aber auch den problematischen Seiten eines Denkers, dessen Texte zur Grundlage des modernen Rechts wurden, die jedoch auch eine totalitäre Schlagseite haben, erfahren wir. Besonders gründlich setzt sich Reinhardt laut Schneider mit Rousseaus "Bekenntnissen" auseinander, einem psychologisch komplexen Selbstbericht, dem man keineswegs aufs Wort trauen kann - es gibt eine krasse Diskrepanz zwischen Rousseaus moralischen Predigten und seinem Lebenswandel, zum Beispiel seinem Umgang mit Frauen, warnt der Kritiker. All das werde von Reinhardt mit der gebotenen Ernsthaftigkeit diskutiert und füge sich zum Bild einer manchmal tragikomisch anmutenden, aber gleichwohl ungemein einflussreichen Figur. Und, freut sich Schneider abschließend, zu einem veritablen Lesevergnügen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.03.2026
Den Historiker Volker Reinhardt kennt Rezensent Hans von Trotha schon von einer ganzen Reihe an beeindruckenden Biografien, jetzt ist Rousseau dran: Seine Technik charakterisiert Trotha als "Zeilenkommentar zur Biografie, wie sie sich in Texten spiegelt". Dass das gelinge, liege an Reinhardts umfassenden Wissen, aber auch an seinem publikumsorientierten Schreiben. Er hat sich Rousseau auserkoren, weil unsere Zeit geradezu danach verlangt, sich mit einem Denker auseinanderzusetzen, für den die Natur und die Solidarität untereinander so wichtig waren, lesen wir. Die Relektüren seiner Schlüsseltexte geraten für den Kritiker zwar etwas zu ausführlich, dennoch zeigt sich in dem Band insgesamt der Kenntnisreichtum des Autors über einen widersprüchlichen Denker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2026
Man kommt Jean-Jacques Rousseau ziemlich nahe in diesem Buch, freut sich Rezensentin Marianne Lieder. Volker Reinhardt erschließt in seiner Biografie zwar keine neuen Quellen und verliert sich gelegentlich ein bisschen in der Fülle des Materials, aber als Porträt einer widersprüchlichen Persönlichkeit funktioniert das Buch sehr gut. Insbesondere, weil Reinhardt systematisch Rousseaus eigene Lebensbeichte, die "Bekenntnisse", auf deren Realitätsgehalt abklopft. Viel Realität bleibt dabei oftmals nicht übrig, schon was seine familiäre Herkunft angeht, nimmt Rousseau es nicht allzu genau, auch seine Darstellung der Entstehung berühmter Schriften wie des "ersten Diskurs" ist zumindest fragwürdig. Dass er, der in seinen Schriften Kinderliebe predigt, fünf eigene Kinder ins Waisenhaus gab, wird in den "Bekenntnissen" zwar erwähnt, aber, liest Lieder bei Reinhardt, auf ziemlich larmoyante Art. Wie Rousseau überhaupt ein großer Selbstdarsteller und -stilisierer war. Die spätere Rousseau-Rezeption interessiert Reinhardt hingegen nicht, er möchte ihn ganz aus seiner Zeit heraus verstehen. Und das ist ihm, so der Tenor der Kritik, ziemlich gut gelungen.