Philipp Blom

Böse Philosophen

Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung
Cover: Böse Philosophen
Carl Hanser Verlag, München 2011
ISBN 9783446236486
Gebunden, 400 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Paris, wenige Jahre vor Ausbruch der Revolution: Im Salon des Barons d'Holbach treffen sich regelmäßig die besten Köpfe Europas. Denis Diderot, David Hume, Laurence Sterne, Jean-Jacques Rousseau und viele andere Denker des 18. Jahrhunderts streiten um eine zeitgemäße Philosophie, die die Religion hinter sich lässt und allein auf die Kraft des Verstandes setzt, aber auch den Leidenschaften angemessenen Platz einräumt. Philipp Blom erzählt ein Kapitel europäischer Geschichte und bringt die radikale Variante der Aufklärung wieder in Erinnerung, die eine Idee von einer wirklich menschlichen Gesellschaft hatte. Ein historisches Meisterstück und philosophisches Plädoyer zugleich.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2011

Rezensent Ludger Lütkehaus ist voll des Lobes über Philipp Bloms Darstellung der sogenannten "radikalen Aufklärung", die im Pariser Salon des deutschstämmigen Baron d'Holbach ihr intellektuelles Zentrum hatte. Wunderbare Lektüre, meint der Rezensent, geringe Schwächen übersieht er gerne angesichts der "Verve" und des "Perspektivenreichtums", zu dem der Wiener Historiker Blom auflaufe. "Böse", wie es der Titel will, waren seinerzeit die bei d'Holbach einkehrenden Philosophen, allen voran Diderot, natürlich nicht, teilt Lütkehaus mit. Vielmehr handelt es sich um Vertreter eines "intellektuellen Hedonismus", die die verdrießliche christliche Glaubenslehre zugunsten einer umfassenden Lebensbejahung und Selbstbestimmung über Bord warfen. Blom bringt D'Holbach und seine illustren Stammgäste vor allem gegen Rousseau und Voltaire in Stellung, so Lütkehaus. Dass schließlich gewisse asoziale Charakterzüge der Letztgenannten, die Paranoia Rousseaus und die Skrupellosigkeit Voltaires, hier mit der Großzügigkeit und Gastlichkeit d'Holbachs scharf kontrastierten, hält der Rezensent für eine erhellende Pointe des Buches.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.04.2011

Auch wenn es dem Rezensenten bisweilen so vorkommt: Philipp Blom beschreibt in seinem Buch mitnichten die Ausschweifungen einer lustigen Wohngemeinschaft. Vielmehr, so erkennt Mario Scalla rasch, legt Blom anekdotenreich und empathisch die Beziehungen der Philosophen im Pariser Salon Holbach offen, die ideengeschichtlichen Konstellationen und wie sich aus Weinseligkeit und politischer Entschlossenheit eine Aufklärungsvorhut ganz anderer Art entwickelte, mit Holbach und Diderot, nicht mit Voltaire und Rousseau. Dass Scalla sein Bild von der bürgerlichen Aufklärung nach dieser Lektüre neu ordnen muss, nimmt er gern in Kauf. Schließlich befreit der Autor die großen Vordenker der Moderne aus der kategorischen Einordnung zu Vorläufern des Materialismus und rückt sie, wie Scalla findet, in des heutigen Lesers Nähe, indem er ihren Atheismus und ihre Sinnlichkeit betont.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2011

Rezensent Tim Caspar Boehme stellt sich voll und ganz hinter das Hauptanliegen dieser Abhandlung des Wiener Historikers Philipp Blom. Sie rufe ins Gedächtnis, dass es neben den Ikonen Rousseau und Voltaire noch eine ganze Reihe weiterer Geister gab, die die französische Aufklärung maßgeblich prägten. Konkret widmet sich Bloms "Engführung von Ideengeschichte und persönlichen Schicksalen" den beiden Radikalaufklärern Denis Diderot und Paul Thiry d'Holbach. Radikal meint in diesem Fall atheistisch, wie Boehme ausführt. In diesem Punkt verstanden Voltaire und Rousseau allerdings keinen Spaß, was ihnen nun, über zweihundert Jahre später, die harsche Kritik Philipp Bloms eingetragen habe. Bei Voltaire und Rousseau handelt es sich in der Interpretation Boehmes um die eigentlich "bösen Philosophen", die das Buch im Titel trägt. Sie kommen hier schlecht weg, vielleicht zu schlecht, meint der Rezensent. Immerhin habe Blom der Versuchung widerstanden, Diderot und d'Holbach im Gegenzug zu glorifizieren. Die Tatsache beispielsweise, dass Diderot die jährlich 300 Exekutionen in Frankreich für "akzeptabel" hielt, enthalte Blom dem Leser mitnichten vor.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2011

Was hätten sie sich gefreut, Denis Diderot und sein Freund Paul Thiry d'Holbach, über dieses Buch, das die beiden radikalen Aufklärer des vorrevolutionären Frankreich dem Vergessen zu entreißen sucht, wie Rezensent Manfred Geier schreibt. Auch Geier freut sich. Über eine nicht nur gelehrte Darstellung, sondern einen Ansatz, der den beiden entspricht, wie er findet, eine Geschichte der Ideen, ihres Salons, ihrer Freund- und Feindschaften, ihrer Affären, intellektuell, sexuell. Dabei geht es dem Autor Philipp Blom laut Geier auch darum, die anhaltende Aktualität der damaligen Kämpfe um den über sich selbst aufgeklärten, von Gott- und Jenseitsglauben befreiten Menschen zu erweisen. Die so entstandene, im Original im vergangenen Jahr erschienene philosophiegeschichtliche Erzählung über den Pariser Salon Holbach liest Geier nicht zuletzt als Korrektiv eines intellektuellen Panoramas, in dem Voltaire und Rousseau als Alleinherrscher erscheinen.

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