Immer wieder bezeugten preußische Herrscher, seien es Kurfürst Friedrich Wilhelm, Friedrich der Große oder Wilhelm II., ihr Interesse an Sprache(n) und Kultur. Es beschränkte sich nicht auf Ästhetisch-Intellektuelles: Entscheidenden Einfluss auf Kultur und Sprache und ihren Gebrauch hatten dynastisches Denken und politische Machtinteressen. Lange Zeit dominierend war das Französische, das von den Hohenzollern im Ringen um Ansehen bewusst als "kulturelles Kapital" eingesetzt wurde. Doch welchen Wandel erfuhr ihr Sprach- und Kulturbewusstsein mit Blick auf den Diskurs nationaler Identität in Deutschland im 18. und im 19. Jahrhundert? Diesen Zusammenhang von Kultur, Sprache, Macht und Politik untersucht Volker Wittenauer.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.08.2007
Erhellend scheint Rezensent Johannes Willms diese Studie über "Kultur und Sprache am Hof der Hohenzollern", die Volker Wittenauer vorgelegt hat. Die Vermutung des Autors, trotz der zahlreichen Zwänge und Regeln hätten auch Könige eine Individualität, die sich in ihrer Sprache ausdrückt, hält er für recht plausibel. Interessiert folgt er der Untersuchung der Sprache einiger Preußenkönige, darunter Friedrich II., Friedrich Wilhelm IV. oder Kaiser Wilhelm II. Die Ausbeute des Autors findet er dabei recht ergiebig. Neben der "skurrilen und geradezu tropisch wuchernden Metaphorik" von Friedrich Wilhelm IV. hebt er den Drang von Kaiser Wilhelm II. hervor, sich bei jeder Gelegenheit mit der ihm eigenen Sprachgewalt öffentlich zu äußern. Mit verhängnisvollen Folgen: "die kaiserlichen Reden trugen ganz entscheidend dazu bei", resümiert Willms, "das Bild Deutschlands in der Welt zu verhunzen."
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