Zu seinem 80. Geburtstag, das hat Walter Kempowski kurz vor seinem Tod verfügt, soll der Gedichtzyklus "Langmut" erscheinen. Ich glaubte immer, so Kempowski, dass ich nie ein Gedicht schreiben werde, und doch stieß mir die Stimme, wie Rilke sagt, eines Tages den Mund auf. Da wusste ich auf einmal, dass mit meinem Buch "Im Block" noch nicht das letzte gesagt worden war über meine Haftzeit in Bautzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2009
Fast ein wenig überrascht zeigt sich Rezensent Nico Bleutge über diese Gedichtsammlung aus dem Nachlass von Walter Kempowski. Vom großen "Chronisten der deutschen Nachkriegsgeschichte" hätte er diesen Gedichtband jedenfalls nicht unbedingt erwartet. Naheliegend scheint ihm, die Gedichte vor dem Hintergrund von Kempowskis Gefängnis-Erfahrung zu lesen, schon wegen der Bilder von Dunkelheit und Kälte und der Rede von "Gittern" und "Mauern". Allerdings - und das ist für Bleutge auch das "Schöne" an diesen Gedichten - verlangen sie diese Lesart nicht. Bei der Stimmung von Bedrohung und Absurdität, die in vielen Gedichten aufkommt, fühlt er sich immer wieder an Kafka oder Beckett erinnert. Skepsis und Zweifel sprechen für Bleutge aus den Gedichten, aber auch Erinnerungen an das Glück, an die Kindheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.04.2009
Berührt zeigt sich Friedmar Apel von diesen Gedichten Walter Kempowskis, der heute achtzig geworden wäre. Der für seine Romane und sein "Echolot"-Projekt bewunderte Schriftsteller wollte die Gedichte, die er während seiner Inhaftierung im Zuchthaus von Bautzen verfasst hat, nicht zu Lebzeiten herausrücken, hält Apel fest. Die traumatischen Erfahrungen im DDR-Gefängnis spiegeln sich für ihn in den kurzen Gedichten in "Langmut" wider. Sie scheinen ihm spröde, aber zugleich ergreifend. Bewegend sind sie für ihn besonders in der der "Schlichtheit eines elementaren Vokabulars", das "der Begrenztheit des Sichtbaren in der Haft" entspreche.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.04.2009
Für Gustav Seibt ist Walter Kempowskis erster, nun postum erschienener Gedichtband zwar eine Überraschung, er erkennt darin aber einen "unverzichtbaren Schlussstein" des Gesamtwerks. Der gleichzeitig mit einer von Kempowski selbst eingelesenen Hörfassung erschienene Band kehrt zu seiner Haftzeit in Bautzen zurück, wo er acht Jahre wegen angeblicher Wirtschaftsspionage einsaß, erklärt der Rezensent. Die CD bringt den typischen "Kempowski-Ton" zu Ohren, "leicht jammerig, vorwiegend gleichmütig, unendlich zivilistisch", so Seibt durchaus eingenommen. Die Gedichte haben ihn durch ihre von jeglicher Anklage freien Lakonie und ihre Haiku-artige Knappheit berührt, wie man dieser Kritik deutlich anmerkt.
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