Der soeben aus der Lagerhaft entlassen Michail Chodorkowski schreibt Porträts seiner Mitgefangenen - und entlarvt das verrottete System der russischen Justiz. Nach über zehn Jahren Inhaftierung kennt Michail Chodorkowski, einst reichster Mann Russlands, das korrupte System der russischen Justiz von innen. In Meine Mitgefangenen porträtiert er Mithäftlinge, die er in den Straflagern Sibiriens und Kareliens kennenlernte. Erniedrigte und Beleidigte, von einem korrupten System Weggeworfene und Verratene. Menschen, die aufgaben, und solche, die trotz allem ihre Würde bewahrten.
Beim Lesen von Michail Chodorkowskis Buch relativiert sich für Inga Pylypchuk das Bild des russischen Mannes. Was der Putin-Gegner hier nüchtern aufschreibt, sind laut Rezensentin knappe Porträts von Männern, die der Autor in Gefängnissen kennengelernt hat, gebrochene Männer in der Isolation. Dass Chodorkowski trotz aller Nähe im Wesentlichen sachlich bleibt, rechnet die Rezensentin ihm hoch an. Leider erfährt sie über den Autor selbst und seine Gefühle und Gedanken eher wenig. Und das Russland-Bild, das er entwirft, bleibt für sie allenfalls bruchstückhaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2014
Als Akt der Selbstvergewisserung bezeichnet Regina Mönch respektvoll das Buch mit den Kolumnen von Michael Chodorkowski, die der Oligarch und Putin-Gegner in der Haft für die "New Times" verfasst hat. Dass der Autor nun frei ist, hält Mönch für ein Wunder, besonders, wenn sie von ihm erfährt, wie Willkür und Korruption in der russischen Justiz und ihren Straflagern herrschen. Chodorkowski liefert Porträts von Mithäftlingen, schuldigen und unschuldigen, in der Parallelwelt der Lager, und jagt der Rezensentin Schrecken ein beziehungsweise rührt sie zu Mitgefühl, ohne viel über sich selbst preiszugeben und allzu moralisch zu werden, wie Mönch versichert, von kleinen Appellen an den russischen Leser einmal abgesehen. Mönch bewundert die ruhige, genaue Sprache, mit der ihr der Autor eine schockierende Welt vorführt und ihr menschliche Züge verleiht.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…