Yan Lianke

Die vier Bücher

Roman
Cover: Die vier Bücher
Eichborn Verlag, Köln 2017
ISBN 9783847906377
Gebunden, 352 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Chinesischen von Marc Hermann. In einem Arbeitslager in der chinesischen Einöde sind Künstler und Akademiker inhaftiert, sie sollen umerzogen, ihre Loyalität zum Kommunismus soll gestärkt werden. Wie ihre Mithäftlinge sind auch die Musikerin und ihr Geliebter, der Gelehrte, dem wirksamen Belohnungssystem des Lagerkommandanten ausgesetzt. Doch dann bricht die große Hungersnot aus und die Gefangenen werden sich selbst überlassen, ein verzweifelter Überlebenskampf beginnt.  Yan Lianke erzählt in "Vier Bücher" von der Zeit der großen chinesischen Hungersnot, von Liebe, Integrität, Würde und Moral im Angesicht absurden Grauens.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2018

Zu Zeiten von Maos Bemühungen, China über Nacht zu industrialisieren, scheint ein System symbolischer Belohnung jegliche Moral ersetzt zu haben, lernt Rezensentin Katharina Borchardt aus dem Roman, der vom Umerziehungslager Nr. 99 erzählt, in dem Akademiker von einem kindlich anmutenden Aufseher bewacht werden. So wie der Vorsteher von einer Einladung nach Peking träumt, bei der er für seine Leistungen ausgezeichnet wird, versuchen die Insassen, fünf rote Papiersterne zu verdienen, mit denen sie sich freikaufen könnten, erzählt die Rezensentin. Ihr präsentiert sich mit dem Lager unter diesen Bedingungen ein Mikrokosmos, in dem Denunziation und Lüge an der Tagesordnung sind. Dennoch erscheint er Borchardt als alternativlos und damit repräsentativ für das Leben während Maos "Großem Sprung nach vorn". Niemand versucht, auszubrechen oder aufzubegehren - wohin auch, fragt sie sich. Die Absurditäten eines solchen Lebens sind in ihren Augen zutiefst traurig und beißend satirisch zugleich beschrieben, sodass für sie nur noch im grotesken Witz des Romans "Momente innerer Freiheit" aufleuchten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2018

Yan Liankes Roman über das China zur Zeit des "Großen Sprungs nach vorn" ist für Steffen Gnam erschütterndes Abbild von Maos Gigantomanie. Wie Lianke den Alltag in einem Umerziehungscamp für Intelektuelle schildert, die Euphorie, den Trotz, vor allem die Verstörung und die erpresserischen Methoden auf dem weg zu "neuen" Menschen, hat Gnam beeindruckt. Überzeugt von den Bildern vom Massensterben im Land und von der geistigen Umerziehung als Abwärtsspirale, die der Autor findet, kann er den Text nur empfehlen.

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