Aus dem Amerikanischen von Christian Deppe und Simon Lübeck. Walter Lippmann gilt als einer der einflussreichsten Propagandisten des Neoliberalismus und einer gelenkten Demokratie, der dem marktradikalen Denken zum Siegeszug verhalf. Lippmanns 1922 erschienenes Buch "Public Opinion" gilt als ein Klassiker in Sachen Manipulation und Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Von ihm wurde der Begriff "Kalter Krieg" geprägt und in den allgemeinen Sprachgebrauch gebracht. Weil die Durchschnittsbürger in einer Demokratie damit überfordert sind, komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge zu durchschauen, entwickelte er das Konzept einer gelenkten Demokratie, um die Meinung der Masse mit Hilfe manipulativer Techniken zu steuern. Seine Methoden der Meinungsbeeinflussung sind heute aktueller denn je.
Als hochaktuell annonciert Micha Brumlik diesen Klassiker der Propaganda-Literatur des amerikanischen Journalisten Walter Lippmann von 1922, macht aber vor allem Einwände geltend. Lippmann war der Überzeugung, wie Brumlik erklärt, dass Demokratie unter den Bedingungen von gesteuerten Massenmedien nicht mehr möglich sei, denn selbst bei bester Bildung seien die Menschen nicht mehr in der Lage, sich ein angemessenes Bild von der Lage zu machen. Daher plädierte Lippmann ganz im Sinne Platons für eine Herrschaft von Experten. Brumlik nimmt das Buch bemerkenswert ernst (er wirft sogar Habermas vor, es nicht berücksichtigt zu haben), kann ihm aber doch wenig abgewinnen. Zum einen versteht er nicht, woher Lippmanns Vertrauen in Experten rührte, schließlich gebe es auch unter ihnen zu jeder Meinung eine Gegenmeinung. Zum anderen sieht er das Wesen jeder Demokratie durch diesen Ansatz total unterminiert.
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