Bernard E. Harcourt

Gegenrevolution

Der Kampf der Regierungen gegen die eigenen Bürger
Cover: Gegenrevolution
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2019
ISBN 9783103974362
Gebunden, 480 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Frank Lachmann. Mit einem Vorowrt von Carolin Emcke. "Was hat Pokemon Go mit Waterboarding, Überwachung oder Trumps Grenzmauer zu tun?", schrieb die Washington Post, und weiter: "Wenn Sie jetzt versucht sind, 'nichts' zu sagen, dann sollten Sie dieses Buch lesen." Die Polizei wird mit Drohnen und Panzern aufgerüstet, die Überwachung der eigenen Bürger ausgeweitet, während die Menschen sich von digitalen Angeboten ablenken lassen: Bernard E. Harcourt führt all diese Themen zusammen und zeigt im Anschluss an Foucault, wie eine neue Regierungsform entsteht: Gespeist aus der militärischen Strategie der Bekämpfung von Aufständen, benutzt sie das Argument vom "Kampf gegen Terrorismus", um ein neues Herrschaftsregime zu errichten. Dessen Prinzipien beruhen auf umfassender Geheimdienstinformation, schonungslosem Targeting von Minderheiten sowie einer Propaganda, die beruhigen soll. Es gilt, so Harcourts Analyse, diese Regierungsform als das zu entlarven, was sie ist: die Tyrannei unseres Zeitalters.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.08.2019

Günter Beyer gibt zu verstehen, dass sich der New Yorker Jura-Professor Bernard E. Harcourt bei seinen Überlegungen zur repressiven Regierung auf die USA beschränkt. Wie der Bürger seit 9/11 als potenzieller Feind ins Visier der Politik gerät, analysiert der Autor laut Beyer mit Hilfe von Gewährsleuten wie David Galula, David Petraeus und Mao und indem er die Bevölkerung einteilt in eine indifferente, dauermedienbeschallte Mehrheit und eine Minderheit, die mit Terror belegt wird. Dass die USA sich kurz vor der Revolution befänden, wie Harcourt suggeriert und zugleich bestreitet, kann Beyer nicht nachvollziehen. Hier geraten dem Autor die Maßstäbe durcheinander, meint er, und der Gegensatz Revolution/Gegenrevolution erweist sich als nicht praktikabel.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.08.2019

Miryam Schellbach wird aufgeklärt vom amerikanischen Rechtswissenschaftler Bernard E. Harcourt über das Verhältnis der Regierung zu ihren Bürgern. Als Partisanenkampf versteht der Autor laut Rezensentin, was den Amerikanern blüht beziehungsweise was nottut in einer Situation, in der die Regierung sich gegen die eigenen Bürger wendet. Scharf analysiert der Autor die aktuellen Regierungsverhältnisse in den USA und stellt sie in einen Kontext, erläutert Schellbach. Die Normalisierung einer Ausnahmelage mit Überwachung, Militarisierung der Polizei und Mitteln der Aufstandsbekämpfung in der Innenpolitik, wie sie das Buch darstellt, lässt Schellbach das Blut in den Adern gefrieren, auch weil der Autor mit Beispielen nicht spart und sich bei der Theorie der modernen Kriegsführung informiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2019

Herfried Münkler durschaut das Buch von Bernard E. Harcourt. Wichtig und in der Ausführung genau und grundsätzlich scheint ihm Harcourts Erkundung der Frage nach der Vereinbarkeit mit Regierungsweisen nach dem 11. September in den USA mit rechtsstaatlichen Prinzipien. Dass der Autor dabei nicht mehr von Ausnahme und Regel sprechen möchte, leuchtet Münkler ein, die vom Autor aufgefahrene Materialfülle findet er beeindruckend und wohl geordnet. Allerdings erkennt der Rezensent bei genauerem Hinschauen, dass Harcourts Belege für die Entstehung einer mit Foucault vom Autor als Gegenrevolution bezeichneten neuen Regierungskunst doch recht dünn sind. Was bleibt, ist laut Münkler das "suggestive Arrangement" des Materials durch den Autor.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 24.06.2019

Die Demokratie ist in Gefahr, und zwar durch die Regierung selbst, warnt der amerikanische Politik- und Rechtswissenschaftler Bernard E. Harcourt in seinem Buch "Gegenrevolution", so Hannah Bethke. Folterpraktiken, Drohnenschläge, Diskriminierung und Überwachung dienten der Ausweitung der Regierungsmacht zulasten der Bürgerrechte, erfährt die Rezensentin, wobei die Politik agiert, als hätte sie es mit aufständischen Minderheiten zu tun, ohne dass die Realität dem in irgendeiner Weise entspräche. Spannend, informativ und beunruhigend findet Bethke das Buch, dessen Befund über Orwellsche Dystopien sogar insofern noch hinausgeht, als die Bürger über das Internet freiwillig und lustvoll zur Aushöhlung ihrer Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte beitragen. Bisweilen stört die Rezensentin allerdings der "apokalyptisch-paranoide Beigeschmack", den der Autor mit seinen martialischen Begriffen und überzeichnenden Zuspitzungen heraufbeschwört.

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