Mit 14 Zeichnungen von Walter Mehring. Walter Mehring, einer der ganz großen und fast vergessenen Autoren des 20. Jahrhunderts, veröffentlichte diese burleske Satire auf den Tourismus 1925. Die Zerstörung der Kultur eines Landes und die Kolonialherrenmentalität der "kultivierten" Europäer gegenüber den "Eingeborenen" sind so bissig, realistisch und witzig noch selten dargestellt worden. So werden "Herren" beschrieben, die mit Spazierstöcken in den "Faulenzenden" herumstochern, "Damen", die Arme und Sieche wie Tiere im Zoo begaffen, Forscher, die jeden Koranlesenden für Studierzwecke benutzen, und Pauschalreisende, die nach Algier kommen, um den "Wildbestand" der arabischen Frauen zu testen. Die Reisenden verschlingen ganze Landstriche, und für Geld ist allemal alles zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2023
Rezensent Frieder von Ammon freut sich, dass der Marsyas-Verlag den vergessenen Autor Walter Mehring wiederauflegt. In seinen vorliegenden Reiseerzählungen, die 1927 erstveröffentlicht wurden, beschreibt Mehring den europäischen Tourismus nach Nordafrika als eine "ins Phantastische übergehende Binnenerzählung", wobei er auch immer noch aktuelle Themen wie den "tief sitzenden Rassismus" der europäischen Touristen anspricht, schreibt Ammon. Dass die Ausgabe mit den originalen Illustrationen von Mehring erscheint, freut Ammon. Ganz gelungen findet Ammon diese Ausgabe allerdings nicht: Fremdsprachige Stellen werden nicht übersetzt, nicht mal mit einem Kommentar versehen, erfahren wir. Ein Nachwort zur Einordnung des Werks fehlt auch - eigentlich schade, findet Ammon.
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