Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt. 1964: In Los Angeles' Straßen riecht es nach Aufruhr, als Walter Mosleys legendärer Held Easy Rawlins sich einmal mehr bereit erklärt, einem Freund zu helfen: Johns Stiefsohn Brawly hat sich einer möglicherweise radikalen Bürgerrechstsorganisation angeschlossen, und John fürchtet um Brawlys Leben. Den jungen Mann aufzustöbern ist kein Problem für Easy, ihn zu retten wird allerdings zu der schwierigsten Aufgabe seines Lebens.
Der 1950 in Los Angeles geborene Walter Mosley gilt als "einer der Großen unter den US-Krimiautoren", weiß Kolja Mensing. Dieser Roman spielt 1964 in Los Angeles. Die Spannungen, die schließlich zu den Rassenunruhen von Watts führten, sind deutlich spürbar, so Mensing. Auf der Suche nach einem Teenager stellt der schwarze Teilzeitdetektiv und Gelegenheitskriminelle Easy Rawlins fest, dass einige Mitglieder der "Urban Revolutionary Party" im Schutz der Organisation einen Raubüberfall planen. So wie unser Rezensent ihn beschreibt, ist Rawlins ein Einzelgänger, der weder der Polizei noch den Zielen seiner revolutionär gestimmten schwarzen Brüder traut. Mensing hat den Roman gern gelesen und lobt ausdrücklich die Übersetzung Rainer Schmidts, der darauf verzichtet habe, den Slang der Afroamerikaner in ein "Deppendeutsch" zu übertragen.
"Noir at ist best", schwärmt Tobias Gohlis ein wenig zweideutig von Walter Mosleys neuestem Krimi, der wieder in die Welt des schwarzen Privatdetektivs Easy Rawlins führt. Hier, in South Los Angeles, muss jeder vor jedem auf der Hut sein, dem Gesetz geht man besser aus dem Weg, denn es ist weiß, wie der inzwischen ganz gut in Lakonie geschulte Gohlis schreibt. Der Ziehsohn eines Freundes scheint in schlechte Gesellschaft geraten zu sein, und so macht sich Easy auf die Suche nach dem Jungen mit dem für seinen Verstand viel zu hitzigen Temperament. Was er findet, ist nicht schön: eine verlogene Geliebte, hinterhältige Polizisten, Waffen natürlich und einen toten Vater. Ja, räumt Gohlis ein, es sind moralische Geschichten, die Mosley hier erzählt, Geschichten aber auch Geschichten mit Herz und Verstand und "voll Trauer über die verschwendeten Leben seiner schwarzen Brüder". Und, das ist vielleicht noch wichtiger, Mosleys humanes Programm "schärft jeden seiner glänzenden Dialoge und raffinierten Plots". Gohlis kurze Formel: "Keine Hoffnung auf niemand, aber erzählen."
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…