Herausgegeben von Schuster, Walter / Weber, Wolfgang
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2004
Mit großem Interesse hat Klaus-Dietmar Henke diesen Sammelband zur Entnazifizierung in Österreich gelesen, dessen vierundzwanzig Beiträge seiner Ansicht zwar recht unterschiedlich gelungen seien, aber doch auch viele interessante Aspekte aufweisen. So habe zum Beispiel einem Beitrag entnommen, dass die sowjetische Besatzungsbehörden keinen großen "Säuberungsimpuls" in Österreich erkennen ließen, was für Henke verdeutlicht, dass die politischen Säuberungen in Ostedeutschland vor allem als "Vehikel kommunistischer Diktaturdurchsetzung" dienten. Spannend findet er auch die Tätigkeit der Volksgerichte beschrieben, die gegen insgesamt 137.000 Personen Verfahren angestrengt hatten, 60 Prozent davon wegen Hochverrats - man war ja das erste Opfer einer fremden Macht. Auch den Beitrag über den nachlässigen Umgang der Justiz mit NS-Tätern in den 60er und 70er Jahre findet Henkel sehr instruktiv - als Lehrstück "vollkommener moralischer Taubheit".
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