Herausgegeben von Martin Fontius, Ottmar Ette, Peter Jehle und Gerda Hassler. Werner Krauss gehört zu jenen Gestalten der deutschen Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts, über dessen Rang und Position noch immer diskutiert wird: Ein Romanist von profunder Gelehrsamkeit, ein Autor von hoher ästhetischer Sensibilität und ein Wissenschaftler, der erkannte, dass die Herausforderungen der Geschichte politische Stellungnahmen erfordern.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.06.2000
Der Sammelband mit Beiträgen eines Kolloquiums über den kritischen Romanisten Werner Krauss wird von Gert Lange besprochen. Der Rezensent gibt zunächst eine eindringliche Darstellung der Biografie des 1976 in der DDR gestorbenen Krauss, der in den zwanziger und dreißiger Jahren jeweils in Spanien und Deutschland im Gefängnis saß, einmal als Freund spanischer Avantgardeliteraten, dann als Beteiligter der Widerstandsgruppe um Harnack und Schulze-Boysen, was ihn nach Plötzensee brachte. Dort hat er als zum Tode Verurteilter "Graciáns Lebenslehre" geschrieben und sich, nachdem die Todesstrafe in eine Haftstrafe umgewandelt worden war, dem Transport nach Buchenwald durch die "Flucht in einem Lazarettwaggon? entziehen können. Lange bedauert, dass der Kolloquium-Beitrag Hans Ulrich Gumbrechts in diesen Band nicht aufgenommen wurde, der Krauss` wissenschaftliche Arbeiten als "Nebenprodukt" eines "titanisch-existenziellen Mannes um Selbstbehauptung" interpretiert hat. Ausführlich beschäftigt sich der Rezensent dann mit dem hier abgedruckten Beitrag zu "Graciáns Lebenslehre" von Karlheinz Barck und der Nachkriegsarbeit von Krauss in der DDR von Martin Fontius. Der Nonkonformist Krauss hat sich, wie in seiner gerade abgeschlossenen achtbändigen Werkausgabe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften nachzulesen ist, eine "eminent kritische Haltung gegenüber der deutschen Geistesgeschichte bewahrt", schreibt Lange zum Schluss. Bis auf die erwähnte Ausnahme beurteilt er den vorliegenden Band als "guten Überblick über die Studien der letzten Jahre zu Werner Krauss".
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