Wilhelm Bode

Tannen

Ein Porträt
Cover: Tannen
Matthes und Seitz, Berlin 2020
ISBN 9783957579485
Gebunden, 155 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Jeder kennt den immergrünen Nadelbaum, doch nicht selten ist das, was wir freimütig als 'Tannenbaum' besingen, bloß eine Fichte, die als forstlicher Allerweltsbaum und als Pseudotanne in den weihnachtlichen Stuben stand. Der feierlich geschmückte Christbaum, der an das Licht der Welt erinnert, ist eine deutsche Erfindung vor 200 Jahre, die sich über die Welt ausbreitete. Dass alte Tannen charaktervolle, höchst individuelle Storchennest-Kronen ausbilden, lässt sie als mächtige Boten aus der Frühzeit unserer Pflanzenwelt erscheinen. Wilhelm Bode zeichnet die folgenreiche Verdrängung der Tannen aus unseren Bergmischwäldern nach: In der Romantik zum Weltenbaum überhöht und von der industriellen Forstwirtschaft durch die Fichte verdrängt, ist die Tanne heute zum Hoffnungsbaum geworden, denn sie erträgt trockene Sommer in ihrem natürlichen Mehrgenerationenhaus eines Laubmischwaldes gut. So ist sie nicht zuletzt eine Ermahnung an die Forstwirtschaft, den Wald als lebendiges Ökosystem, nämlich als ein Kontinuum aus Raum und Zeit, kahlschlagfrei zu bewirtschaften.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2020

Rezensentin Andrea Diener gibt Entwarnung: Laut Wilhelm Bode, Tannenflüsterer, ist es unbedenklich, sich eine Nordmannstanne ins Zimmer zu stellen. Anders steht es um die hiesige Tanne, die gibt es nämlich fast nicht mehr, und was wir Wald nennen, ist meistenteils Fichtenwald, lernt Diener mit Erschrecken. Bode berichtet ihr von den frühen Anfängen des Kahlschlags, den Sünden der Forstwirtschaft, von der mangelnden Resilienz der Fichte und von den Wäldern auf den Bildern Caspar David Friedrichs. Augenöffnend, findet Diener.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.12.2020

Nicht so ganz auf der Höhe des Wissens über die weltweit verbreiteten Tannenarten und ihre kultische Verehrungsformen findet Rezensent Olaf Velte das hier vorliegende Büchlein. So sei es gar fast ein Etikettenschwindel und hätte besser "Wider die deutsche Forstwirtschaft" geheißen. Die Stimmungslage des Autors mag man verständlich finden, so der Kritiker. Und immerhin hat ihm der Hinweis auf Amsterdam geholfen, dessen Häuser bis heute auf dem rheinabwärts geflößten Schwarzwaldtannenholz stehen. Dennoch sei mit mehr Weltwissen und gleichzeitig praktisch-biederen Vorschlägen zur Veränderung der Forsten in Deutschland mehr Aufklärung und Verständnis erreichbar gewesen, so sein Fazit.

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