Wilhelm Genazino

Die Belebung der toten Winkel

Frankfurter Poetik-Vorlesungen
Cover: Die Belebung der toten Winkel
Carl Hanser Verlag, München 2006
ISBN 9783446207127
Gebunden, 112 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

"Genazinos Romane suchen in Frankfurter Seitenstraßen das Poetische auf. Dort, wo normalerweise jeder hinwegsieht, entdecken sie kleine Kostbarkeiten, Kunstwerke des Verborgenen", so Helmut Böttiger über den Büchner-Preisträger 2004. Seine Erfahrungen bei dieser Suche nach dem Poetischen teilt Genazino in den berühmten Frankfurter Poetikvorlesungen mit dem Zuhörer - die Erzählung über das Schreiben selbst wird hier zu einem Abenteuer für die Leser.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.04.2006

Judith von Sternburg stellt den Band mit Poetikvorlesungen vor, die Wilhelm Genazino Anfang des Jahres in Frankfurt gehalten hat. Im Mittelpunkt dieser fünf Poetikvorlesungen steht das "Magisch-Werden" ganz alltäglicher Dinge, wie man es schon aus dem literarischen Werk Genazinos kennt, erklärt die Rezensentin. Dabei ziehe sich die Aufmerksamkeit des Autors von der berühmten Madeleine Prousts bis zum Zahn aus einem Konzentrationslager, den Lea Rosh in eine Stele des Holocaust-Mahnmals eingefügt sehen will, so Sternburg, die dieses "so klassische wie staunenswerte Spektrum" bewundert. Ein weiteres Thema des Autors ist das Autobiografische in der Literatur, das dann nicht lediglich "Selbstentblößung" ist, wenn es ins "Allgemeine übertragen" werden kann, so die Rezensentin weiter. Den Vorträgen untergelegt ist stets das "Erstaunen" und "Erahnen" der eigenen Sterblichkeit, betont die Rezensentin, die nach den Poetikvorlesungen das Gefühl hat, den Autor "besser zu kennen".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2006

Um die "Rückeroberung des Poetischen" geht es in Wilhelm Genazinos Frankfurter Poetik-Vorlesungen mit dem programmatischen Titel "Die Belebung der toten Winkel", die Iris Radisch wohlwollend bespricht. Der moderne Autor, erklärt sie, hat einen in mehrfacher Hinsicht schwierigen Job zu bewältigen: einerseits habe er sich "in Magieerwartung" zu befinden, damit ihn die Poesie anspringt und sich in zauberhaften Worten niederschlägt, andererseits sei die Welt hinreichend entzaubert und biete wenig Zauberhaftes, drittens erwarte man vom modernen Autor wohl auch eher, dass er alle Magieerwartungen ordentlich zertrümmere. Wilhelm Genazino nun, verrät Radisch, vertraut darauf, dass man auch in einer entzauberten Welt Poesie erleben, spüren, niederschrieben kann. Sie liefert zwei Stichworte, mit denen Genazino operiert: "Diskretion" und "Daseinssorgfalt", das sind sozusagen Daseinsstrategien, mit denen sich Erfahrungsräume wiedergewinnen, "tote Winkel" wieder entdecken und wieder beleben lassen, sich sodann in Poesie verwandeln können und das gewisse Extra ausmachen, das jede Geschichte braucht, denn, so Radisch Genazino beipflichtend, "ohne Poesie ist die Prosa erledigt".

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