Herausgegeben und kommentiert von Hans-Harald Müller und Mirko Nottscheid. Der Band enthält eine kommentierte Auswahl von bisher unveröffentlichten Korrespondenzen und Lebenszeugnissen Wilhelm Scherers, die auf Persönlichkeit und Werk des Germanisten ein neues Licht werfen. Ergänzt wird die Edition durch eine Rekonstruktion von Scherers Gesamtnachlaß (mit einer Darstellung zu dessen Geschichte) sowie durch ein Verzeichnis von Scherer-Briefen und -Manuskripten, die sich außerhalb seiner Nachlässe in öffentlichem Besitz befinden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.05.2005
Wilhelm Scherers "Geschichte der deutschen Sprache" aus dem Jahr 1868 bestimmte über Generationen die Sichtweise des deutschen Bildungsbürgertums, stellt Rezensent Stefan Rebenich den gebürtigen Österreicher vor, der in Wien, Straßburg und Berlin Germanistik lehrte. Bis heute gibt es keine kritische Biografie Scherers, bedauert Rebenich und begrüßt zugleich die vorzügliche Edition mit Briefen und autobiografischen Zeugnissen Scherers, die seinen beruflichen und politischen Werdegang aufzeigen und, wie der Rezensent nicht müde wird zu betonen, eine hervorragende Grundlage für die noch ausstehende Biografie böten. Scherers große wissenschaftliche Leistung war, arbeitet Rebenich heraus, dass er die Germanistik "auf ein theoretisches Fundament stellte", indem er die Hermeneutik mit dem deutschen Historismus, dem französischen Positivismus und dem englischen Empirismus verband. Scherer versuchte eine Theorie der nationalen Ethik und Literatur zu entwickeln, so Rebenich. Dies bedeutete aber keineswegs, hat Rebenich aus den Briefen und Dokumenten Scherers herausgelesen, dass er einer chauvinistischen Rhetorik aufsaß. Als einziger Germanist schlug er sich im Berliner Antisemitismusstreit auf die Seite Theodor Mommsens. Die Edition sei zuverlässig und mit einer instruktiven Einleitung versehen, versichert der Rezensent.
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