Aus dem Niederländischen übersetzt von Helga von Breunigen. Originaltitel: Specht en zoon. Ein bekannter Maler erhält einen ungewöhnlichen Auftrag: das Porträt eines toten Jungen zu zeichnen. Der Vater des Jungen, ein reicher Industrieller, bietet ihm dafür eine hohe Summe. Der Maler weiß, dass er sich selbst übertreffen muss. Als er mit der Arbeit beginnt, kommen die Fragen: Wer war der Junge, warum ist er gestorben? Und warum holt der vermeintliche Vater nie das fertige Bild ab? Der Prozess des kreativen Schaffens verbindet sich mit den Fragen nach dem eigenen Leben, Intimität mit Öffentlichkeit und Lüge mit Wahrheit. Das alles wird erzählt aus der Sicht der Leinwand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2007
Eine echte Herausforderung sieht Christian Schärf in diesem experimentellen Roman des Niederländers Willem Jan Otten. Schärfs anfängliche Skepsis angesichts einer Maler-Leinwand als Hauptfigur weicht bald einem Staunen über ein kühnes Unterfangen mit "Dorian-Gray-Anleihen", das zwischen Sein und Schein, der belebten und unbelebten Welt oszilliert und den Leser mit einer Vielzahl von Perspektiven und darüber hinaus mit seiner eigenen Konstruiertheit konfrontiert. Dass Schärf das Buch trotzdem nicht als Relikt postmoderner Literaturversuche erscheint, liegt an der eingebauten "Selbstdistanzierung von allen avantgardistischen Zwängen".
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