Herausgegeben und aus dem Norwegischen übersetzt von Einhart Lorenz. Willy Brandts erstes Buch, auf Norwegisch geschrieben, konnte wegen der Kriegsereignisse nie erscheinen. Es sollte am 9. April 1940 ausgeliefert werden - dem Tag der Invasion der Deutschen in Norwegen. Die Gestapo setzte den Titel auf die Liste der verbotenen Bücher, beschlagnahmte und vernichtete es. Heute existieren nur noch wenige Originalexemplare. Erstmals erscheint es nun ungekürzt in deutscher Sprache. Der Band leitete eine neue Etappe in Willy Brandts politischer Entwicklung ein. Europa wurde eine zentrale Kategorie in seinem Denken. Brandt fasst die Positionen der Großmächte über die Kriegs- und Friedensziele sowie die öffentliche Debatte über die Zukunftsvorstellungen für Europa zusammen. Er schildert die Vorstellungen der deutschen Opposition und der internationalen Arbeiterbewegung. In seinem Buch präsentiert Brandt auch seine eigenen Ideen einer föderativen Struktur des Kontinents und eines gerechten Friedens ohne Annexionen und erdrückende Entschädigungslasten. Der Text dokumentiert eindrucksvoll das außenpolitische Denken und die analytischen Fähigkeiten des erst 26-jährigen Autors.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2018
Petra Weber kündigt die erste vollständige Veröffentlichung der politischen Abhandlung Willy Brandts über den Zweiten Weltkrieg an. Den Übersetzer und Verfasser der Einleitung Einhart Lorenz hält sie für einen Kenner der Exiljahre Brandts, in die die von den Nazis verhinderte Publikation von Brandts Erstlingswerk im April 1940 fallen sollte. Beim Lesen erkennt Weber sowohl Brandts Prägung durch die Arbeiterbewegung, die ihn den Krieg als Resultat imperialistischer Politik sehen ließ, als auch dessen politische Ambitionen innerhalb der Friedenszieldiskussion seiner Zeit.
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