Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die ärztliche Tätigkeit haben sich durch die jüngsten Gesundheitsreformen grundlegend verändert. Der vorliegende Sammelband widmet sich dem durch die Reformen hervorgerufenen Wandel im Arbeitsalltag und Selbstverständnis des Arztes sowie im Verhältnis zu seinen Patienten. Den Ausgangspunkt bilden die Ergebnisse einer repräsentativen Ärzteumfrage durch das "Zukunftsforum Gesundheitspolitik" (Zufog). Anhand einer politikwissenschftlich erarbeiteten und durch empirische Daten in der Realität nachgewiesenen Ärztetypologie wird die Rolle und das Verhalten der Mediziner als gesundheitspolitische Akteure und im Umgang mit den Patienten näher untersucht. In weiteren Beiträgen werden sowohl die Auswirkungen der gesundheitspolitischen Gesetzgebung für die Ärzteschaft und für das Arzt-Patienten-Verhältnis aus unterschiedlichen Perspektiven näher betrachtet als auch neue Herausforderungen für die medizinische Versorgung in Deutschland analysiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2008
Robert Jütte ist nicht einverstanden mit dem Bild, das die Herausgeber Winand Gellner und Michael Schmöller dieses Bandes hier vom gewandelten Selbstverständnis des Patienten zeichnen. Jütte zitiert einen Text aus dem Jahr 1939, eine Patientienbefragung, die deutlich macht, dass der kritische, aktive Patient durchaus kein Kind heutiger Gesundheitspolitik ist. Medizinhistorisch fragwürdig erscheinen Jütte deshalb Beiträge, die etwa "schwarze Legenden" wiederholen und das Idealbild des mündigen Patienten als entscheidungstragenden Partner des Arztes zeichnen. Wenn's so einfach wäre! wirft Jütte ein und erinnert an den bereits von Kant ins Spiel gebrachten allzu menschlichen Wunsch nach Unmündigkeit.
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