Aus dem Russischen übersetzt und mit Nachwort versehen von Peter Urban. Vladimir Odoevskij (1803-1869) hat die Erzählkunst seiner Heimat mitbegründet und sie mit seinen Novellen in weltliterarische Sphären geführt. Sprachlich souverän und in unbefangenem Fabulierton vermittelt er uns ein launig- heiteres Zeit- und Sittenbild der spätaristokratischen Welt. Kaum ein gesellschaftlicher Missstand und kaum ein menschlicher Makel, den der versierte Satiriker nicht auf seine spitze Feder gespießt hätte. Habgier, Eitelkeit, Ruhmsucht, Trägheit des Herzens, Standes- und Geistesdünkel, nichts ist vor seiner Polemik sicher. Der Enge gesellschaftlicher Konventionen und des schönen Scheins entkommen am Ende weder die Privilegierten noch die Habenichtse, weder die Berechnenden noch die, die angeblich reinen Herzens sind. Bei den hier von Peter Urban gehobenen Prosaschätzen handelt es sich durchwegs um Erst- bzw. Neuübersetzungen, die den Nimbus dieses großen Erzählers belegen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2014
Der Autor braucht den Vergleich mit Puschkin oder Gogol nicht zu scheuen, findet Judith Leister, die sich über diese Manesse-Ausgabe mit sieben Stücken von Wladimir Odojewski riesig freut. Odojewski hält sie nicht nur für den am meisten unterschätzten russischen Klassiker, sondern auch für einen Alchemisten der Literatur, der Formexperimente mit scharfen Attacken gegen die noble Gesellschaft die russische Literatur oder die Gothic Novel paart. Mitunter frappiert Leister die Modernität des Autors, etwa wenn er Handlung wie Bühnenstücke inszeniert und sein Personal in "Kamerafahrten" einfängt. Von der philosophischen Erzählung über die Gesellschaftssatire bis zum Märchen, das stellt Leister anhand der Text fest, beherrscht der Autor so ziemlich jedes Genre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2014
Die Gelegenheit, mit diesem Auswahlband seines Schaffens Vladimir Odoevskij, diesen von E. T. A. Hoffmann beeinflussten russischen Romantiker, kennenzulernen, hält Christiane Pohlmann für einen Gewinn. Odoevskijs Aristokratieporträts, seinen burleske Tendenzen zeigenden Stil, seine märchenhaften Gefühl gegen Verstand stellenden Konstellationen liest sie immer gern. Allerdings fragt sich Pohlmann, ob es wirklich diese Auswahl und Übersetzung sein muss und warum. Es muss wohl oder übel, da ältere Ausgaben vergriffen sind, wie die Rezensentin selbst schreibt. Eine Begründung der Auswahl, die Pohlmann mindestens ergänzungswürdig erscheint, findet sie im Nachwort des Herausgebers und Übersetzers Peter Urban leider nicht.
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