Er gab der Soziologie ihren Namen und begründete den Positivismus: Auguste Comte, Philosoph aus Frankreich, fand in der ganzen Welt Anhänger. Mittels revolutionärer Medien versuchte er im 19. Jahrhundert, die Ausbreitung seiner Ideen zu fördern. Er stiftete einen Orden, der mit Plakaten, Plastiken, Medaillen und Grafiken das positivistische Weltbild unter den Massen verbreitete. Wolf Lepenies erzählt ein erstaunliches Kapitel aus der Geschichte unserer Medienkultur.
Rezensent Peter Schöttler hat Wolf Lepenies' Buch über den Begründer der Soziologie, Auguste Comte, sehr gern gelesen. Es ist keine Biografie und auch keine Analyse von Comtes Werk, schreibt er, sondern eine meisterhaft gezeichnete "kultursoziologische Miniatur". Andererseits scheint man doch auch einiges über Comtes Leben zu erfahren: der Rezensent erwähnt Comtes Depressionen und seine unglückliche Ehe mit einer ehemaligen Prostituierten. Comte, lesen wir, hat in Deutschland keinen guten Ruf, weil sein Name mit dem Positivismus verbunden ist (Marx scheint hier das letzte Wort gesprochen zu haben: "Scheißpositivismus"). Von Lepenies lernt der Rezensent nun, wie ungerecht das ist. Mit seiner eigenen Meinung zum Positivismus halte Lepenies sich allerdings "vornehm zurück".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.09.2010
Wenn Martin Meyer alles, was er uns über den Begründer des Positivismus, Auguste Comte, zu sagen weiß, aus der Biografie von Wolf Lepenies hat, ist sie bestimmt zu empfehlen. Besonders freut Meyer, dass Lepenies den vermeintlich kühl analysierenden Geschichtsphilosophen unter anderem als kuriosen Sektenmeister präsentiert, der seine Gesellschaftslehre zu einer Sozialreligion ausbauen wollte. So ungewöhnlich Meyer diese Seite Comtes vor dessen biografischem Hintergrund erst einmal erscheint, so plausibel macht der Autor ihm die Verwandlung anhand von Themen und Topoi, die auch die französische Geschichte betreffen. Wie hier große Geschichte und den Rezensenten mitunter an Balzacs Romanwelten erinnerndes Geschacher um Comtes Personenkult zusammenkommen, findet Meyer stark.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.09.2010
Ralf Konersmann vertraut ganz auf die Souveränität des Autors beim Verknüpfen der vielen Fäden der Geschichte des Positivismus mit seiner Schlüsselfigur Auguste Comte. Enttäuscht wird er nicht. Die spannende Entwicklung des Positivismus von einer Wissenschaft zu einer sozialen und politischen Bewegung zeichnet der Autor für ihn nachvollziehbar auf und entwirft zugleich ein wissenschaftsgeschichtliches Porträt Comtes. Dass Wolf Leppenies auf Bloßstellung verzichtet und lieber das Detail sprechen lässt, so wenn er etwa Comtes Propagandamaschine erläutert, hält ihm der Rezensent ferner zugute.
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