Wolfgang Böhmer wollte partout kein Buch über sein Leben schreiben. Der Arzt und ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt ist auch nicht gerade bekannt dafür, dass er viel von sich persönlich preisgibt. Trotzdem ist es der Journalistin Monika Zimmermann in langen Gesprächen gelungen, ihn zum Reden zu bringen: über seine Kindheit auf dem Bauernhof der Eltern, die Arbeit als Arzt und den ungeplanten Einstieg in die Politik nach der Wende. Dabei ist der Achtzigjährige gewohnt mutig im Urteil und gewährt überraschend offen Einblicke in den Politikbetrieb, in seine Gefühlswelt und die Mühsal des Älterwerdens.
Herausgekommen ist ein Buch über ein außergewöhnliches Leben in drei Deutschlands: im Nationalsozialismus, im Sozialismus der DDR, im wiedervereinten Deutschland, der heutigen Bundesrepublik - und nicht zuletzt eine kleine Geschichtslektion über das neu geschaffene Bundesland Sachsen-Anhalt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.05.2016
Cornelius Pollmer findet, es lohnt sich, Monika Zimmermanns Gespräche mit ihrem Ex-Chef, dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, anzuhören. Interessant an dem Interview-Band scheint Pollmer etwa, dass der Befragte hier sowohl Privates als auch Dienstliches Revue passieren lässt und in seiner Härte gegen sich selbst, wie ein Helmut Schmidt des Ostens rüberkommt. Dass sich in Böhmers Geschichte Landesgeschichte spiegelt, erkennt der Rezensent ebenfalls, wenn Böhmer über die Wiedervereinigung spricht. Das leicht Nostalgische im Ton, überhört Pollmer einfach. Immerhin tönt Böhmer nicht selbstmitleidig, versichert er.
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