Wolfgang Knöbl

Die Soziologie vor der Geschichte

Zur Kritik der Sozialtheorie
Cover: Die Soziologie vor der Geschichte
Suhrkamp Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783518299753
Taschenbuch, 316 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Der Zugriff der Soziologie auf die Geschichte erfolgte von Anfang an über die Prägung robuster Prozessbegriffe wie etwa "Differenzierung" oder "Individualisierung", die in Zeitdiagnosen bis heute eine zentrale Rolle spielen. Thematisiert wurde dabei jedoch selten, welchen geschichtsphilosophischen Ballast diese Begriffe mit sich führen, weshalb in jüngster Zeit einige von ihnen stark kritisiert worden sind. Wolfgang Knöbl analysiert, wie in verschiedenen Phasen der Disziplingeschichte - zumeist erfolglos - versucht wurde, historische Prozesse zu theoretisieren, und arbeitet heraus, welche erzähltheoretischen Einsichten die Soziologie aufzunehmen hat, wenn ihre Diagnosen ernst genommen werden wollen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2022

Rezensent Achim Landwehr ist dem Soziologen Wolfgang Knöbl dankbar für alternative Erklärungsmodelle in den Sozialwissenschaften. Dass der Autor dafür auf den Dialog zwischen Sozial- und Geschichtswissenschaften setzt und Standards wie Modernisierung, Rationalisierung und Globalisierung hinterfragt, scheint Landwehr wichtig und zielführend. Knöbls Skepsis gegenüber herkömmlichen Prozessbegriffen vermittelt sich im Buch laut Landwehr so eingängig wie überzeugend. Knöbels "verlorene" Geschichte der Sozialtheorie, chronologisch erzählt, weist für Landwehr allerdings auch wieder bekannte Muster auf. Für den Rezensenten ist sie konventionell, linear, westlich, männlich. Lesenswert ist sie aber auch, versichert er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.05.2022

Rezensent Oliver Weber findet es wohlfeil, ins Kraut schießende soziologische Zeitdiagnosen zu verspotten. Umso mehr freut er sich über das Buch des Soziologen Wolfgang Knöbl, das laut Weber eine Kritik soziologischer Vernunft wagt, indem es ihre begrifflichen Voraussetzungen problematisiert. Dass der Autor seiner Zunft nicht ohne Sympathie die Leviten liest, gefällt Weber ebenso wie der Umstand, dass Knöbl mit seiner Arbeit auf "elegante" Weise die Voraussetzungen schafft für "bessere Gesellschaftstheorien", ohne selbst ein Deutungsangebot zu machen.

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