Zwischen 1919 und 1945 waren in ganz Europa faschistische Bewegungen verbreitet. Warum etablierten sich jedoch nur in Italien und in Deutschland auch faschistische Diktaturen? Wolfgang Schieder arbeitet die besonderen historischen Bedingungen heraus, die gerade in diesen Ländern zu solchen Diktaturen führten.Das faschistische Regime in Italien macht Schieder dabei als Vorbild für die nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland aus: Benito Mussolini steht sinnbildlich für den Ursprungsfaschismus, während Adolf Hitler dessen Nachahmung und spätere Radikalisierung repräsentiert. Die z.T. bereits andernorts veröffentlichten Beiträge werden in systematischer Anordnung vorgelegt und entfalten so eine prozessuale Faschismustheorie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.01.2009
Im Umfeld der neueren englischsprachigen vergleichenden Faschismusforschung verortet Rezensent Sven Reichardt diese Untersuchung Wolfgang Schieders, die in gelungener Weise Politik- und Sozialgeschichte mit kulturgeschichtlichen Ansätzen verbinde. Das Buch versammelt Reichhardt zufolge zwanzig größtenteils in den letzten Jahren veröffentlichte Aufsätze, die zunächst "ein farbiges, immer spannend zu lesendes Panorama" des italienischen "Ursprungsfaschismus" in seinem Entstehen, seiner Organisation sowie seinen Verhaltensmustern und Selbstbildern liefern. Der Autor entwickle ein prozessuales Faschismusmodell, das Kontinuitäten ebenso wie die Wandelbarkeit der faschistischen Bewegungen beschreiben könne, die keine kohärente Ideologie entwickelt hätten. Weiter untersuche der Autor die Strahlkraft des "italienischen Experiments", etwa seine positive Aufnahme in Deutschland in unterschiedlichsten politischen Kreisen, und leiste einen systematischen Vergleich der Bewegungen in Italien und Deutschland, wo er erst in der letzten Radikalisierungsphase entscheidende Unterschiede ausmache. Eine Untersuchung zu medialen Repräsentationen schließe diese "brillante Studie" ab, so der angetane Rezensent, die auch die "paradoxe Mischung" faschistischer Verhaltensformen in gelungener Weise darstellen könne.
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