Sebastian Peters

Hitlers Fotograf Heinrich Hoffmann

Eine Biografie
Cover: Hitlers Fotograf Heinrich Hoffmann
Wallstein Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783835358287
Gebunden, 624 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Unser Bild von Adolf Hitler wird bis heute entscheidend von den Fotografien eines Mannes geprägt: Heinrich Hoffmann. Der Münchner Fotograf war Nationalsozialist der ersten Stunde und stellte seine beruflichen Fähigkeiten rasch in den Dienst der Partei. Seit den frühen 1920ern prägten seine Aufnahmen das visuelle Image der NSDAP und ihres "Führers", den Hoffmann im Sinne der NS-Propaganda inszenierte. Aus dem Leibfotografen wurde ein enger Vertrauter Hitlers, der aus dem inneren Kreis bald nicht mehr wegzudenken war. Und der diese einzigartige Position zu nutzen wusste: Ab 1933 stieg Hoffmann zum Verleger eines großen Unternehmens auf, das zur regelrechten Bildfabrik des "Dritten Reichs" expandierte. Mit Hunderttausenden Propagandafotos schuf es den schönen Schein, der nicht zuletzt die brutale Gewalt des Regimes vertuschen sollte. Der Fotograf wurde so selbst zum einflussreichen Propagandisten - und zum Multimillionär. Erst mit der deutschen Niederlage ging das Imperium des selbsternannten "Reichsbildberichterstatters" unter. Doch auch wenn Hoffmanns Person nach 1945 allmählich in der Bedeutungslosigkeit versank, führen seine Bilder ein Nachleben - das bis heute anhält.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.07.2025

Ein Standardwerk zum Leben des Fotografen Heinrich Hoffmann, der sich Hitler und den Nationalsozialisten andiente, legt Sebastian Peters hier vor, freut sich Rezensent Rudolf Walther. Walthers Besprechung besteht fast ausschließlich aus einer Nacherzählung des Lebens und vor allem der Karriere Walthers entlang des Buches, Hoffmann schloss sich bereits bald nach dem Ersten Weltkrieg rechten Bewegungen an, trat 1920 in die NSDAP ein, publizierte seine einschlägigen Bilder früh in rechten Zeitschriften sowie als Postkarten, später wurde er de facto Hitlers Privatfotograf. Auch auf Hoffmanns Geschäftstüchtigkeit geht Walther mit Peters ein, Parteiämter hatte Hoffmann zwar nie inne, aber seine Hitlerbilder und -bildbände brachten ihm jede Menge Geld ein, auch Sammelalben fanden reißenden Absatz, zumindest bis zum Beginn des alliierten Luftkriegs. Hoffmann versuchte, sich nach dem Krieg damit herauszureden, er sei ja bloß ein Fotograf gewesen, der die Wirklichkeit festhält, und auch wenn das nicht verfing, konnte er immerhin, setzt die Zusammenfassung fort, Teile seines Vermögens retten. Das Buch, das auf Peters' Dissertation beruht, ist sehr informativ und arbeitet umfangreiches Quellenmaterial auf, lobt der der Veröffentlichung äußerst gewogene Rezensent abschließend.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.07.2025

Dies Buch war fällig und schließt vor allem eine wichtige Lücke in unserer Kenntnis der Propagandamaschinerie Adolf Hitlers, freut sich Rezensent Florian Keisinger. Hoffmann sei zwar als Person nicht besonders interessant - er scheint sich am Hof Hitlers mit Unauffälligkeit bewegt zu haben, es sind keinerlei Streitereien mit anderen Nazis überliefert, so Keisinger. Gewinnbringend ist das Buch darum vor allem, weil es Aufschluss gibt über den Fotografen und Unternehmer Heinrich Hoffmann, dessen Bilder das Bild Adolf Hitlers bis heute maßgeblich prägen. Er war schon seit 1920 in der Partei, die Bilder, die wir vom "Hitler-Putsch" 1923 kennen, sind von ihm. Und er war sogar bei der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts zugegen, berichtet der Rezensent. Nebenbei baute Hoffmann sein Atelier zu einem Unternehmen mit hundert Angestellten aus, die seine Bilder sogar als Sammelbildchen in Zigarettenschachteln vertrieben - "in freundlicher Kooperation mit dem Tabakunternehmen Reemtsma". Nur ein Aspekt wundert den insgesamt sehr positiven Rezensenten: Peters geht überhaupt nicht auf Hoffmanns Verhältnis zur anderen großen Hitler-Propagandistin Leni Riefenstahl ein - es hätte den Rezensenten doch sehr interessiert, wie die beiden zueinander standen. Davon abgesehen: eine emphatische Leseempfehlung. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2025

Rezensent Bernd Stiegler würdigt Sebastian Peters' Biografie über Heinrich Hoffmann als längst überfällige, fundierte Studie über den wichtigsten Fotografen Hitlers. Peters rekonstruiert detailreich das Leben eines Mannes, der sich früh der NSDAP anschloss und aus seiner Nähe zu Hitler enormen materiellen Nutzen zog - ein Paradebeispiel für die "hemmungslose Profitgemeinschaft" um den Diktator. Hoffmann inszenierte, lesen wir, Hitler fotografisch und wurde durch Bücher wie "Hitler wie ihn keiner kennt" oder "Mit Hitler im Westen" zum zentralen Akteur nationalsozialistischer Bildpropaganda. Seine Fotos durchzogen alle Medien -  Postkarten bis Kunstbände. Obwohl er sich nach dem Krieg als unbeteiligter Beobachter ausgab, zeigt Peters, dass Hoffmanns gesamtes Werk tief in die NS-Ideologie eingebettet war, staunt der Kritiker. Die Bildanalyse von Hoffmanns Werk, moniert er, bleibt in diesem Buch jedoch aus und weiterhin unbearbeitet. Trotzdem ist dies eine aufschlussreiche Arbeit über einen "mittelmäßigen Fotografen", der es vermochte, ein ganzes Fotografie-Imperium aufzubauen, schließt Stiegler.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 10.05.2025

Ein wichtiges Buch über eine wenig bekannte Person im Umfeld Adolf Hitlers legt Sebastian Peters hier vor, so Rezensentin Silke Hennig. Tatsächlich handelt es sich bei dieser Veröffentlichung laut Hennig um die erste Biografie Heinrich Hoffmanns, der als "Reichsbildberichterstatter" Hitler als "Führer", Kinderfreund und so weiter inszenierte. Mit Peters skizziert die Rezensentin den Lebenslauf des 1885 geborenen Peters, der sich früh der Fotografie zuwandte, sich als geschäftstüchtig erwies, nicht vor Bildmanipulationen zurückschreckte, wenn es seinem Profit diente - und der bereits 1920 als überzeugter Nazi und Antisemit in die NSDAP eintrat. Im Folgenden wurde er zu einem wichtigen Vertrauten Hitlers, unter anderem lernte dieser durch ihn Eva Braun kennen, im inneren Kreis der Nazis konnte Hoffmann auch deshalb reüssieren, weil er keine weitergehenden politischen Ambitionen hatte und als leutselig galt, als Geschäftsmann war er sehr erfolgreich und profitierte von der Judenverfolgung. Eine beziehungsreiche Biografie also, fasst Hennig zusammen, das Buch über ihn bekommt diese Figur durchaus gut zu fassen, ist aber nicht gerade einfach zu lesen - und vor allem hätte die Rezensentin in einem Buch über einen Fotografen gerne mehr Bildmaterial gesehen.

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