In der Geschichtsschreibung über den Städtebau im 20. Jahrhundert dominieren funktionalistische beziehungsweise avantgardistische Modelle der Stadtauflösung. Anhand von Plänen, Anlagen und Theorien von dichten und urbanen Städten des 20. Jahrhunderts werden Beispiele des Städtebaus analysiert und hervorgehoben, die bislang eher als Randphänomene bewertet wurden - Konzepte, die sich im Wesentlichen durch Funktionsmischung, soziale Offenheit, öffentliche Räume, städtische Architektur und Stadtkultur auszeichnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.11.2014
Robert Kaltenbrunner sieht dieses Buch von Wolfgang Sonne über "Urbanität und Dichte" zu den grundsätzlichen Fragen des Städtebaus vordringen und steigt mit Schwung in die Expertendiskussion ein, ohne dass man ihm dabei in die Einzelheiten folgen kann. Deutlich wird, dass Sonne die Stadtentwicklung am Thema der Verdichtung entlang schildert und dass es um Großsiedlungen und Stadterneuerung in den siebziger Jahren geht, um die IBA und Hochhausbau. Klar wird auch, dass Kaltenbrunner mit Sonnes Darstellung nicht einverstanden ist und dem Autor eine Lesart des Städtebaus vorwirft, die "soziale, politische und ökonomische Kontexte" nur am Rande behandele.
Dem Rezensenten geht das Herz auf beim Betrachten der prächtigen Illustrationen in diesem Band des Stadtplaners Wolfgang Sonne. Zwar hat das Buch seinen Preis, Rainer Haubrich jedoch scheinen die plastischen, detailreichen Architekturabbildungen, der sinnliche Genuss allein den Kauf wert. Dass traditioneller Städtebau im 20. Jahrhundert jenseits der Moderne derart viel Substanz und Schönheit zu bieten hätte, hätte er gar nicht für möglich gehalten. Was lange als reaktionär galt, kann ihm der Autor durch intensive Forschungsarbeit, anhand von Beispielen aus Europa und den USA aus der Zeit von 1900 bis heute als menschenfreundliches Ideal von Urbaität und Dichte schmackhaft machen. Die Nachkriegsmoderne würde Haubrich nach dieser Lektüre am liebsten vergessen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.10.2014
Rezensent Michael Mönninger nimmt das Buch des Dortmunder Architekturhistorikers Wolfgang Sonne als Versuch, den Planern der Stadtauflösung und Siedlungsbewegung die Leviten zu lesen. Geschenkt, meint Mönninger, der dem Autor seine innovationsskeptische Leserschaft gönnt, zumal Sonne kenntnisreich Urbanität als Begriffsgeschichte vermittelt. Allerdings übt der Rezensent auch Kritik. Etwa an Sonnes kunsthistorischer Instrumentalisierung von Geschichte. Wenn der Autor leidenschaftlich Baugeschichte als Reaktion auf Expansion und Zersiedelung erzählt, lauscht Mönninger zwar interressiert, jedoch fehlen ihm in Sonnes morphologischem Urbanitätsverständnis soziale und ökonomische Aspekte.
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