Mit 500 zum Teil farbigen Abbildungen. Der Städtebau des faschistischen Italien ist in Deutschland - jenseits der Zirkel weniger Spezialisten - nahezu unbekannt. Auch in den Überblickswerken des europäischen Städtebaus wird er bis heute in der Regel ignoriert. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass im faschistischen Italien die wohl umfangreichsten städtebaulichen Projekte der Zwischenkriegszeit in Europa realisiert wurden. Das Buch bietet einen systematischen Überblick uber den Städtebau der Mussolini-Diktatur auf der Grundlage zahlreicher, wenig bekannter Abbildungen, und es interpretiert diesen Städtebau neu, insbesondere mit Blick auf den Städtebau der anderen Diktaturen der Zwischenkriegszeit. Im Zentrum stehen die städtebaulichen Debatten und Projekte im Großraum von Rom und in den trockengelegten pontinischen Sumpfen sudöstlich von Rom.
Eine sehr informative Besprechung widmet der Stadtplaner Robert Kaltenbrunner diesem gewaltigen Band des Architekturhistorikers Harald Bodenschatz, der die Geschichte des italienischen Städtebaus unter Mussolini behandelt. Neben der opulenten Ausstattung und sachkundigen Kommentierung beeindruckt den Rezensenten besonders, wie Bodenschatz die unterschiedlichen Debattenstränge auseinanderhält, die in diesem Thema zusammenfließen. Denn die faschistische Machtästhetik mit ihren Monumentalbauten und pompösen Achsen spielte erst nach dem Abessinienkrieg die entscheidende Rolle. Vorher bestand Mussolinis Städtebaupolitik vor allem in der Urbanisierung der Mittelschichten, erklärt Kaltenbrunner in seiner selbst recht fachkundigen Rezension: Während in den USA und Deutschland in den dreißiger Jahre Vorstädte gebaut wurden, betrieb das faschistische Italien eine städtische Baupolitik, in der moderne Konzepte ebenso ihren Platz fanden wie historistische.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2012
Architektur als Ausdruck faschistischer Verhältnisse. Wie das aussieht, erläutern dem Rezensenten der Sozialwissenschaftler und Stadtplaner Harald Bodenschatz und seine Mitarbeiter am Beispiel des Städtebaus willfähriger Architekten unter Mussolini. Was bisher eher als Randthema Behandlung fand, findet Roman Hollenstein in diesem Band weit ausholend und akribisch dargestellt. Am Beispiel der Umgestaltung Roms, aber auch anhand des faschistischen Bauwesens in ganz Italien und in den italienischen Kolonien können die Autoren Hollenstein zeigen, wie sich die Duce-Architektur von anderen diktatorischen Architekturmodellen unterscheidet, wie unbekümmert man in Italien heute mit diesem Erbe umgeht und wie sich diktatorisches und demokratisches Bauen unterscheiden. Ohne großes Fazit, dafür mit viel Text- und Bildmaterial im Anhang, u. a. Äußerungen Mussolinis, die für sich selbst sprechen, findet Hollenstein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2012
Dass wir das heutige Rom Mussolini zu verdanken haben, lässt sich Michael Mönninger von dem Berliner Soziologen und Bauhistoriker Harald Bodenschatz erläutern, der eine Art architektonische Leistungsbilanz des Diktators bietet. Mönninger erscheint das deshalb wissenschaftlich interessant, weil Italien auch unter dem Duce rationalistisch-modern gebaut habe, wie er schreibt. Trotz strenger Resümierung durch den Autor, fehlen Mönninger wichtige Aspekte. So vermisst er eine Ikonografie der betreffenden Bauten, deren soziologische Einordnung und vor allem die handfeste Analyse und Kritik der Mussolinis Architektur innewohnenden wahnhaften Systemlogik.
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