Mit Beiträgen von Komponisten, Dirigenten,Regisseuren, Theaterleitern, bildenden Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern. 1963 veröffentlichte Wieland Wagner unter dem Titel Richard Wagner und das neue Bayreuth Texte, die seine und seines Bruders Inszenierungen seit 1951 begleitet hatten. Werk und Ort waren nach der Vereinnahmung durch Hitler neu zu diskutieren; Bayreuth wurde zur Werkstatt erklärt. Was Richard Wagner leisten wollte, war eine Konstituierung der deutschen Gemeinschaft in ihrer Kunst. Was für Athen das Dionysos-Theater gewesen war, das sollte Bayreuth für Deutschland werden. Diesen Raum Bayreuth gilt es neu zu denken: als Werkstatt, in der Schreibweise von Wolfgang Rihm: "Werk statt Wagner". Das Buch lädt ein, den Aufbruch zu einer neuen Arbeit mit Wagners Werk zu formulieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.06.2002
Auch die Bayreuther Festspiele stehen auf dem Prüfstand und müssen sich in Zeiten des kulturellen Umbruchs und finanzieller Engpässe neu legitimieren, meint Sebastian Werr. Das vorliegende Buch habe sich das Ziel gesteckt, neue künstlerische Wege für den Umgang mit dem Wagner-Erbe zu suchen - doch trotz vieler Beiträge von hochkarätigen Künstlern wie Peter Konwitschny, Joseph Beuys und Wolfgang Rihm kann Werr das Arbeitsergebnis nicht überzeugen. Da wird ihm zu viel über die ökonomischen Rahmenbedingungen gejammert. Da findet sich kein wirklich überzeugender Deutungsversuch der Verbindungen zwischen Wagner und der Neuen Musik. Am ehesten scheint Werr die Fragestellung Gérard Mortiers einzuleuchten, der Bayreuth als Museum und Kulturerbe erhaltenswert findet, was seiner Meinung nach aber nur möglich ist, wenn man, wie in einem normalen Museum, Werke verschiedener Epochen mischt und gegenüberstellt. Damit wäre unabdingbar die Öffnung des Festspielhauses für Werke anderer Komponisten verbunden, folgt Werr dem Mortierschen Gedankengang, gegen den er offenbar nichts einzuwenden hat.
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