So viel Spannung auf engstem Raum bietet nur die Ballade. Dieses Buch handelt von 365 Katastrophen und anderen dramatischen Vorfällen, von Liebesglück und Lebensleid, Heldentum und Misere, Schuld und Sühne, Mord und Totschlag - literarischer Nervenkitzel pur. Wulf Segebrecht sprengt mit seiner Auswahl den herkömmlichen Bestand deutscher Balladen und tritt eine spannende Entdeckungsreise in die Literatur der Gegenwart an. Ausgehend von Texten der Gegenwart - seien es Chansons, Flugblätter, Poetry-Slam-Lyrik oder Rap-Songs - verfolgt er die Entwicklung der Ballade in Deutschland zurück bis zu den Volksliedern des 16. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2013
Die Diskussion darüber, was heute eine Ballade sein kann, ist eröffnet, findet Tilman Spreckelsen nach dem Schmökern in Wulf Segebrechts Anthologie "Deutsche Balladen", in der der Rezensent den "Erlkönig" entdeckt, aber auch Liedtexte von Reinhard Mey. Gut gefallen hat ihm, wie hier der Gattungsbegriff verstanden und von Segebrecht erläutert wird, und neben bekannten Gattungsvertretern auch unbekanntere zum Zuge kommen, von der Gegenwart bis zur Neuzeit. Diese Reihenfolge lässt Spreckelsen wie ein Archäologe auf die Genese der Ballade schauen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2012
Überall spürt man in dieser Besprechung, die den Aufmacher der zweiten SZ-Herbstbeilage 2012 bildet, dass Rezensent Burkhard Müller das von manchen längst tot geglaubte Genre der Ballade kennt und liebt. Den Einwand der Obsoletheit nimmt er kaum auf und pariert ihn lässig mit der Tatsache, dass die Ballade schließlich auch im Pop ein beliebtes Genre ist. Und tatsächlich, so berichtet er über die vorliegende Anthologie, findet der Pop prominente Aufnahme in diesen Band. Herausgeber Wulf Segebrecht eröffnet seine Anthologie mit den neuesten Exempeln der Gattung - und die sind von Tocotronic, Udo Lindenberg und Reinhard Mey. Danach arbeitet er sich zurück von Nikolaus Lenau bis zu Flugschriften der Renaissance und wählt das Datum der Erstveröffentlichung als umgekehrt chronolgisches Ordningsprinzip. Müller führt der Band zu vielen Erkenntnissen, etwa dass sich der Konservatismus der Form häufig genug mit revolutionären Botschaften paare, dass die Ballade "prinzipientreu, aber mitleidvoll" mit gefallenen Mädchen verfahre oder dass ein schlechter Reim immer noch besser sei als gar keiner. Müller hat das Buch geliebt.
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