Xaver Bayer

Heute könnte ein glücklicher Tag sein

Roman
Cover: Heute könnte ein glücklicher Tag sein
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2001
ISBN 9783902144126
Gebunden, 187 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Er ist Anfang zwanzig. Niemand soll sagen, dass das die schönste Zeit im Leben ist. Die Tage verlaufen in zäher Gleichförmigkeit. Aber warum fällt ihm auch nichts anderes ein, als in Lokale zu gehen, die gerade angesagt sind, sich durch die Stadt treiben zu lassen und auf die Einladung zur nächsten Vernissage zu warten? Einzig die Musik öffnet Freiräume, manchmal zumindest. Sonst sind die Tage von gleichsam rituellen Abläufen geprägt. Er stellt sich eine Zählmaschine vor, die bei jeder Handlung, bei jedem Musikstück, bei jedem Weg anzeigt, das wievielte Mal es gerade ist - und nach 9999 springt sie wieder auf Null. Er nimmt Posen ein: Stilisierung ist eine Möglichkeit, unbestimmte Trauer eine andere. Doch sie überdecken den Riss in diesem Leben, dem jedes Zeichen äußerer Tragik fehlt, nicht lange.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.02.2004

Dieses Buch mag als "soziologisches Anschauungsmaterial" von Interesse sein, meint Kai Martin Wiegandt, doch als Roman reicht es ihm nicht. Es geht um einen in Wien lebenden Ich-Erzähler, der die "Monotonie und Unerheblichkeit" seines Alltags beschreibt und sich seinem Weltschmerz ergibt, fasst der Rezensent das handlungsarme Buch zusammen. Dabei liest es sich so, wie "es sein will", meint Wiegandt, nämlich "fad". Er bemängelt die Dialoge als "weniger gelungen", lobt aber immerhin "so manches treffende Bild", dass der Erzähler bei seinen Wanderungen durch das graue Wien findet. Alles in allem aber handelt es sich um einen "Molochromanversuch", der nicht zufrieden stellt, bemerkt der Rezensent unbeeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2002

Das Personal aus Bayers Roman-Erstlings frönt der Langeweile, die allenfalls momentan durch den Genuss von Popmusik unterbrochen wird. Ansonsten nichts als ödes Brüten und Dösen mit und ohne Drogenkonsum. Man könnte diese Gestalten nach der Beschreibung der Rezensentin Christine Zintzen wohl als eine Art Möchte-gern Bohèmiens bezeichnen. Der in dem Buch müde zelebrierte Lebensekel, der nie den bequemen bürgerlichen Rahmen verlasse, reiche jedoch nicht ansatzweise an die großen literarischen Vorbilder, die Sartre, Huysmans und Moravia geschaffen haben, heran, konstatiert die Rezensentin und formuliert mit unüberhörbaren Spott die Vermutung, dass dieses Buch lediglich für künftige Soziotopographen des zweiten Wiener Fin de Siècle "ein billiges Untersuchungsobjekt" hergeben könnte.
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