Aus dem kantonesischen Chinesisch von Karin Betz. Kann es ein Leben ohne Hongkong geben? Nicht für Aguo, den neunmalklugen, stolzen Bürger der Stadt. Mit seiner Schwester Afa lebt er im Haus der Tanten, genannt "die Lotusblumen". Oder, an ihren übel gelaunten Tagen, "die Lotuswurzeln". Aguo wundert sich über alles und jeden in der Schule, mutiert zum leidenschaftlichsten Elektroinstallateur der Stadt und lernt auf seinen Streifzügen durch das Hongkong der 70er Jahre die gesamte Bevölkerung kennen: Müllsammler und Telefonistinnen, Seemänner und Tischler. Sie alle sind vom Festland hier gestrandet, mit sehnsüchtigen Herzen und pompösen Plänen. Doch das Leben in der Stadt gestaltet sich reicher an Hindernissen als gedacht. Was Aguo, auf einem Telefonmast sitzend, nicht davon abhält, begeistert vom ewigen Leben Hongkongs zu träumen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2023
Diesen großen Hongkong-Roman kann Rezensent Jakob Strobel y Serra nach mehr als vierzig Jahren jetzt auch auf Deutsch kennenlernen und freut sich, dass die Autorin Xi Xi ihn auf einen wilden Ritt nicht nur durch die Stadt, sondern auch durch alle Facetten des magischen Realismus mitnimmt. Der jugendliche Protagonist Aguo zeigt uns Hongkong als Stadt, in der die Gegensätze von High Society und Elend aufeinanderprallen, in der man Mahjong-Spieler begegnet und Stürme, bei denen es Frösche regnet, erleben kann, schildert Strobel y Serra angeregt. Er räumt zwar ein, dass dieses phantasmagorische Spiel nicht immer ganz einfach ist, versichert aber, dass man die Stadt danach mit anderen Augen sieht, auch wenn man als Nicht-Hongkonger vielleicht nicht jede der geistreichen, mitreißenden Anspielungen versteht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.07.2023
Rezensent Maximilian Mengeringhaus begleitet die Autorin Xi Xi gern auf ihren Streifzügen durch ein Hongkong der Vergangenheit. Ihr ursprünglich 1979 erschienener, jetzt erstmals auf Deutsch vorliegender Roman hat in Hongkong einen legendären Status, erfahren wir. Keinen fein gefertigten Sittenroman hat Xi Xi geschrieben, vielmehr zeichnet sie das Bild einer Stadt, die von sprachlicher und kultureller Vielfalt geprägt ist, so der Rezensent. Aguo, der Protagonist des Buches, lässt sich durch dieses inspirierende Chaos treiben und beobachte mit viel Liebe zum Detail Zeichen des kulturellen Wandels. Die berufliche Erfahrung Xi Xis als Drehbuchautorin merkt man ihrer visuell gedachten Prosa an. Der humorvolle Stil wird von Karin Betz geschickt ins Deutsche übertragen, so Mengeringhaus. Manchmal freilich stört sich der Rezensent an der etwas allzu albernen Sprachkomik. Außerdem, merkt er an, sind die düstereren Töne Xi Xis Sache nicht.
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