Aus dem Jiddischen von Niki Graca und Esther Alexander-Ihme. Wien 1938: Die beiden neunjährigen Freunde Emil und Karl sind plötzlich in dem von den Nazis annektierten Österreich auf sich allein gestellt. Ihre Eltern wurden vor ihren Augen verhaftet: die einen aufgrund ihrer sozialistischen Gesinnung, die anderen aufgrund ihres jüdischen Glaubens. Die beiden Jungen, all ihrer Sicherheiten beraubt, erleben Unfassbares, aber auch Unterstützung von Menschen, die für sie ihr Leben riskieren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2015
Endlich ist Yankev Glatshteyns berührendes Jugendbuch "Emil und Karl" auch auf Deutsch zu lesen, schreibt Rezensent Oliver Pfohlmann und informiert, dass es sich bei dem Buch des im russischen Lublin geborenen Lyrikers und Feuilletonisten um einen der ersten Holocaust-Romane überhaupt handelt. Tief bewegt liest der Kritiker die Geschichte um die neun Jahre alten Freunde Karl und Emil, der eine Jude, der andere Arbeitersohn, die sich allein durch das nationalsozialistische Wien schlagen. Erschüttert erlebt Pfohlmann in dem aus der Perspektive Karls geschriebenen Roman, wie die Nachbarin in die leerstehende Wohnung von Emils Eltern eindringt, um sie zu plündern oder wie die beiden Kinder, schließlich erlöst von einem SS-Mann, mit bloßen Händen die Straße schrubben und auf ihrer Odyssee das ganze "Spektrum des Menschenmöglichen" erfahren. Ein ebenso ergreifendes wie kluges, nie eindimensionales Buch, das längst ein Klassiker ist, urteilt der eingenommene Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2014
Susanne Klingenstein macht in dem Kinderroman "Emil und Karl" des Lyrikers Yankev Glatshteyn "Falltüren in die Jahrtausende" aus, die sich unter der Oberfläche hebräischer Wörter und Gesten verbergen und der scheinbar realistischen Erzählung über zwei Fastwaisen, die einem vielleicht etwas zu positiv dargestellten Wien des Jahres 1938 allerlei Abenteuer abtrotzen, heimlich eine "Allegorie der deutsch-jüdischen Geschichte" unterschieben, erklärt die Rezensentin, die über den allegorischen Inhalt dann aber nicht mehr verraten will. Stattdessen begeistert sich Klingenstein für die lyrische Macht von Glatshteyns Sprache, die aus dem genrespezifischen Zwang zur Vereinfachung und Kürzung Gewinn schlägt, indem sie in den entstehenden Zwischenräumen einen Echoraum erzeugt, der das Buch gerade für erwachsene Leser spannend macht, so die Rezensentin.
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