Aus dem Englischen von Matthias Strobel. Ein Handbuch über eine verhängisvolle geistige Tradition: Welches Bild sich der Westen vom Orient gemacht hat und wie dieses Zerrbild zum grundlegenden Bestandteil des kulturellen Selbstverständnisses sowohl des Westens wie des Orients geworden ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2003
Durch und durch positiv nimmt Florian Coulmas diese kritische Geschichte des Orientalismus auf. Zwar habe der in London lebende Pakistaner Ziauddin Sardar mit ausgesprochen spitzer Feder geschrieben und oft polemisch, meint der Rezensent, aber nie ohne Belege dafür, mit welcher Befangenheit der Orient in der westlichen Geistesgeschichte betrachtet wurde. Sardar lehnt sich, wie Coulmas erklärt, an Edward Saids Buch "Orientalism" an, nach dem sich "Orient" nicht durch sich selbst definiere, sondern durch das, was im Westen dafür ausgegeben werde, nicht selten durch abfällige Stereotypen wie Unfähigkeit zu logischem Denken, Despotismus, Faulheit, Verschlagenheit, sexuelle Zügellosigkeit oder Engstirnigkeit. Wie Coulmas versichert, kann Sardar durchaus nachweisen, wie diese Topoi vom Mittelalter bis heute die Auseinandersetzung mit dem Orient beherrschen. Wem daran gelegen ist, auch einmal die Welt aus nichtwestlicher Perspektive wahrzunehmen, dem legt der Rezensent daher dieses hilfreiche Buch wärmstens ans Herz.
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