Es hat in den siebziger Jahren wohl kaum eine Wohngemeinschaft gegeben, in der nicht Gerhard Seyfrieds Comics herumlagen, seine Wimmelbilder und Plakate die Wände schmückten und seine Sprüche zitiert wurden. Mit Seyfried begann die Geschichte des deutschen Underground-Comics ("Wo soll das alles enden", "Invasion aus dem Alltag", "Freakadellen und Bouletten"): Kein anderer hat die alternative Szene - samt ihren grün uniformierten Widersachern - treffender aufgespießt, kein anderer wurde öfter kopiert. Ende der Achtziger dann traf Seyfried die damals 17-jährige Ziska Riemann, sie gründeten das Künstlerduo "Harmonian Anarchists" und entwickelten gemeinsam einen neuen Zeichen- und Erzählstil: die fantastischen Zukunftsvisionen "Future Subjunkies" und "Space Bastards". Die meisten der Alben sind längst vergriffen und unter Sammlern heiß begehrt. Zeit also, das Comicwerk der beiden zu einem Prachtband zu bündeln. Er enthält alle Comics von Seyfried: "Wo soll das alles enden", "Invasion aus dem Alltag", "Das schwarze Imperium", "Flucht aus Berlin" und "Let the bad times roll", den Ziska-Solo-Band "Rascal & Lucille" und die drei Comicbücher "Future Subjunkies", "Space Bastards" und "Starship Eden". Ergänzt wird der Band von kaum bekannten Kurzcomics und einer funkelnagelneuen fantastischen Rahmengeschichte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.05.2009
Also, ein großer Comic-Meister ist Gerhard Seyfried für Christoph Haas eigentlich nicht. Was er, gibt er zu, aber auch jetzt erst im Rückblick so richtig gemerkt hat. Denn zu der Zeit, die die ihre war, waren die Werke des linken Comic-Künstlers Seyfried auch auf ihn nicht ohne Wirkung geblieben. Heute freilich wirken die Satiren aus dem links-alternativen Milieu auf ihn beinahe "spießig". Auch daran, dass Seyfried im engeren Sinn ein Comic-Künstler ist, hat Haas seine Zweifel. Sehr tableauhaft - als solches dann aber doch immer wieder recht reizvoll - seien sehr viele seiner Zeichnungen vor allem aus den neunziger Jahren. Am schönsten scheinen dem Rezensenten dann eher am Rande entstandene Werke; Skizzen von einer US-Reise etwa. Und eine große leere Sprechblase über Kreuzberg.
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