27.08.2025. In Folge 5 unseres Podcasts "Bücherbrief Live" interviewen die Perlentaucher Benita Berthmann und Lukas Pazzini den Historiker Götz Aly, der mit "Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 - 1945" sein Opus magnum vorlegt.
Götz Aly ist einer der wichtigsten deutschen Autoren zum Thema Nationalsozialismus. Seit vielen Jahrzehnten beschäftigt sich der Historiker, Politikwissenschaftler und Journalist mit der Geschichte des Antisemitismus und der Judenfeindschaft wie in seinem Buch "Europa gegen die Juden", mit den Euthanasiemorden in "Die Belasteten", aber auch mit den Wirtschafts- und Raubverbrechen der Nazis, etwa in "Hitlers Volksstaat".
Der Perlentaucher hat in den letzten Wochen bereits einige Passagen aus Alys neuem Buch vorgeblättert. Sie können das Buch, wie auch viele weitere Publikationen von Götz Aly, in unserem Onlineshop eichendorff21.de kaufen.
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Bestellen Sie bei eichendorff21!Im Gespräch mit Götz Aly interessiert uns vor allem, wieso die Frage nach dem "Warum?" jetzt wieder gestellt werden muss: Aly war es wichtig, mit diesem Buch die Fäden seiner Arbeit zusammenzuführen und ein Verständnis der Gegenwart aus der Vergangenheit heraus zu ermöglichen. Weder die Haupt- noch die Nebenfiguren des Nationalsozialismus sind in seinem Buch abstrakte Größen, sondern Menschen, die vor 1933 und nach 1945 größtenteils ein normales, nicht-kriminelles Leben geführt haben. Es war gar nicht erforderlich, in allen Belangen mit der Ideologie übereinzustimmen, um zum Mitläufer und Täter zu werden - das zeigen Biografien wie die von Hans Mommsen, der als Ordinarius der Philipps-Universität Marburg jahrelang damit unter Druck gesetzt wurde, er könnte seine Stelle verlieren, wenn er nicht mitmacht. Aber auch ein Dichter wie Heinrich Böll war vor dem Mitläufertum nicht gefeit: Als Soldat im Frankreich-Feldzug beteiligte er sich an den Raubzügen.
Warum diese Menschen zu Komplizen wurden, erklärt uns der Autor mit verbesserten Sozialleistungen, die viele Familien während des Krieges finanziell besser stellten als davor und die vor allem dazu dienen sollten, die Kriegsmüdigkeit der Bevölkerung zu überdecken. Dass dies das Dritte Reich stetig an den Rand des Staatsbankrotts führte, liegt nahe.
Wir diskutieren über diese "Verbrechensgemeinschaft", die sich zusammentat und im Gespräch klären wir auch, wie sich Aly gegenüber anderen Thesen positioniert: Etwa gegenüber Daniel Goldhagen, der von einem genuin deutschen Antisemitismus ausgeht oder gegenüber Peter Longerich, der in seinem Buch "Unwillige Volksgenossen" die These vertritt, viele Deutsche hätten den Nationalsozialismus nicht aus Überzeugung, sondern aus Konformitätsdruck unterstützt. Nicht zuletzt erklärt Aly, weshalb es wichtig ist, dass auch deutsche Historiker bekennen, wie auch ihre Familiengeschichten mit dem Lauf der Ereignisse verbunden sind.
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