Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.03.2020 - Architektur

Der Tagesspiegel meldet, dass nun auch der italienische Architekt Vittorio Gregotti an einer Corona-Infektion gestorben ist. Zu seinen bekanntesten Bauen gehörten das Olympiastadion von Barcelona, das Fußballstadion von Genua, das neue Opernhaus in Aix-en-Provence und das Kulturzentrum im portugiesischen Belem. Bitterer Nachsatz: "Beerdigungen sind in Italien vorübergehend ausgesetzt." Auch La Repubblica erinnert daran, dass Gregotti nicht nur Architekt war, sondern mit Umberto Eco und Luciano Berio zum intellektuellen Gestirn Mailands gehörte. Der Guardian bringt in seinem Nachruf viele Bilder seiner tollen Bauten.
Stichwörter: Gregotti, Vittorio, Corona

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.03.2020 - Architektur

Die Ausstellung "da! Architektur in und aus Berlin" der Berliner Architektenkammer im Stilwerk Berlin reißt Nikolaus Bernau (Berliner Zeitung) nicht gerade vom Hocker. Immer alles so zwangsidyllisch in Berlin: "Heftige Debatten aber wird diese Ausstellung nicht auslösen. Dabei konstatierte [Senatsbaudirektorin] Regula Lüscher zur Eröffnung, dass 'Architektur auch Angst macht, weil sie verdrängt, liebgewordene Dinge und Milieus verändert.' Doch in dieser Auswahl macht wenig Angst - und manches wie die Kita in der Ruheplatzstraße ist geradezu idyllisch: Holz, Sand, wilde Gräser und wehende Birken - Berlins ewige Sehnsucht nach dem Kleinen im Großen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.03.2020 - Architektur

Der Urbanist Winy Maas, Mitbegründer des Büros MVRDV aus Rotterdam, berät gerade Marseille für die Manifesta, die dort ab Juni stattfinden soll. Im Interview mit der SZ erklärt er, warum es okay ist, dass die deutsche Stadtplanung so tödlich langweilig ist (Hans Stimmann!) Muss es auch geben, im Sinne der Unterschiedlichkeit europäischer Städte, meint er: "In Eindhoven machen wir das Gegenteil. Es gibt eine historische Schicht, die etwa 17 Meter hoch ist, und wo wir Hochhäuser oben drauf bauen. Das ist superlustig. Jeder kann einen Turm bauen. ... Es ist eine Art freier Urbanismus, bei dem wir nur sagen: Jeder Turm muss anders sein. Kopiere nicht deinen Nachbarn. Es gibt so viele Möglichkeiten, Städte zu verbessern. Das Ziel ist dabei immer dasselbe: Städte müssen grün werden."

Im Gespräch mit der NZZ erklärt der Architekt Roger Diener, warum es manchmal besser ist, das Alte stehen zu lassen, wie man Spuren der Vergangenheit sichert, und warum er erst spät Glas zu verwenden begann: "Das erste Mal, dass wir eine ondulierende Glasfassade vorgeschlagen haben, war für die Restrukturierung des Pergamon-Museums in Berlin vor zwanzig Jahren, für das Eingangsgebäude am Kupfergraben. Die rhythmisierten Wellen sollten ein einziges Stück Architektur mit den Exponaten bilden. Die Besonderheit des Museums sind die antiken Großarchitekturen im Piano Nobile. Die Wellen stehen in diesem Entwurf in suggestiver Beziehung zu den antiken Stützen der Ausstellung mit Kanneluren und zylindrischen Schäften. Wir haben den zweiten Preis bekommen. Das Projekt ist Teil einer Suche, die Hüllen, Vorhänge oder Verkleidungen mit Glas zum Gegenstand hat."

Besprochen wird die Berliner Ausstellung "Modell Mies" (Tagesspiegel).
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.03.2020 - Architektur

Musée cantonal des Beaux-Arts in Lausanne. Foto: Barozzi Veiga


Roman Hollenstein besucht für die NZZ den Neubau des Musée cantonal des Beaux-Arts in Lausanne durch die spanischen Architekten Barozzi Veiga und ist alles in allem sehr zufrieden: "Fährt man von Westen her mit dem Zug im Bahnhof Lausanne ein, fällt einem sofort der lange, mit grauem Klinker verkleidete Quader auf, aus dem das historische Architekturfragment des Lokdepots mit dem Rundbogenfenster ins Gleisfeld hinauswächst. Von hier liest sich das Bauwerk wie eine Abstraktion des neuklassizistischen, weiter oben am Hang thronenden Bundesgerichtspalasts. Nähert man sich dann dem Museum vom Bahnhof her, ist das stimmungsvolle Altbauzitat nicht mehr zu sehen. Ohne dieses wirkt die geheimnisvolle Kiste noch hermetischer - aber nicht unfreundlich, zumal bei Sonnenschein, wenn der graue Klinker einen fast honigbeigen Ton annimmt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.03.2020 - Architektur

Universita Luigi Bocconi in Mailan. Foto: Grafton Architects

Die beiden Dubliner Architektinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara erhalten in diesem Jahr den Pritzker-Preis. "Na endlich!", ruft Wojciech Czaja im Standard. In der SZ beschreibt Laura Weißmüller, wie die beiden seit Jahrzehnten mit ihrem Büro Grafton Architects beharrlich, aber "grundsympathisch und extrem höflich" gegen die  Hässlichkeit des irischen Bauwesens ankämpfen: "Dafür studieren sie, wie das Licht dort fällt, wie die Menschen sich an dem Ort verhalten und was es braucht, damit eine Beziehung zwischen ihnen und dem Bau entsteht. Es ist eine im besten Sinne dienende Architektur. Wie gut das funktioniert, sieht man etwa an ihrem Universitätsgebäude in Mailand. Die Eingangsfassade kragt so weit nach vorne aus, dass ein öffentlicher Platz darunter entsteht, der wiederum eine Art magische Sogkraft zum Bau hin erzeugt. Von außen wird der Blick mitten hineingezogen, ins Foyer und in den opak leuchtenden Vortragssaal, entlang von Linien, die einem grafischen Muster gleichen." Dass sich mit einem Schlag die Zahl der Preisträgerinnen verdoppelt, verbucht Weissmüller als kleinen Trost. Im Guardian ist auch Oliver Wainwright voll und ganz einverstanden mit Farrell und McNamara, besonders gern mag er nämlich den Entwurf für die Universität von Lima, aber mit der Entscheidung soll auch ein Rückstand aufgeholt werden, meint er: "Sie folgt auf die RIBA-Goldmedaille in diesem Jahr und die Wahl zu Kuratorinnen der Architekturbiennale von Venedig von 2018." In der NZZ freut sich auch Sabine von Fischer über die Auszeichnung der beiden.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.02.2020 - Architektur

In der NZZ porträtiert Viviane Ehrensberger die Architektin Vera Gloor, die im Zentrum Architektur Zürich in der Ausstellung "Frau Architekt" vertreten ist.
Stichwörter: Gloor, Vera

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.02.2020 - Architektur



Radikale neue Ästhetik entsteht nicht mehr in Städten, sondern auf dem Land, lernt Welt-Kritiker Boris Pofalla in der von Rem Koolhaas kuratierten Schau "Countryside, The Future" im Guggenheim New York. Auf norwegischen Fischfarmen mit Gesichtserkennungssystemen für einzelne Tiere etwa, oder in China: "China, sagt Koolhaas, sei das einzige Land, das die Wichtigkeit des ländlichen Raumes begriffen habe und entsprechend agiere. Der Städter kann sich per Facetime einzelne Äpfel aussuchen, die der Bauer einem dann zuschickt. Manche Dörfer sehen aus, als stünden sie in den Abruzzen - pittoresk renoviert für junge Chinesen, die am liebsten Urlaub auf dem Land machen, und zwar dem eigenen."

"Schlau und erhellend", findet auch Christian Zaschke (SZ) die "Countryside"-Ausstellung: "Natürlich werden die großen Themen abgehandelt, zum Beispiel die Rolle des ländlichen Raums in Diktaturen: landwirtschaftliche Projekte in Maos China, Nahrungsproduktion in Stalins Sowjetunion, die Autobahnen in Hitlers Deutschland. Dazwischen finden sich, wie zur Erholung, immer wieder zarte Projekte, die zeigen, wie Menschen im Ländlichen anders zusammenleben als in der Stadt. Eine Dokumentation zeigt zum Beispiel, wie das italienische Dorf Riace mit seiner überalterten Bevölkerung nur deshalb überlebte, weil die Einwohner Flüchtlinge aufnahmen und das Dorf auf diese Weise neu belebten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.02.2020 - Architektur

In der FAZ erinnert Niklas Maak an dem am Freitag im Alter von 96 Jahren gestorbenen ungarischen Architekten Yona Friedman, der kaum etwas baute, aber ein enormes theoretisches Werk hinterließ - etwa zur "mobilen Architektur". "Er war der erste Grasroot-Denker in einer Branche, die immer mehr daran glaubte, große Ideen nur mit enormen Beton- und Geldmengen umsetzen zu können. Immer wieder plädierte er für das Leichte, Improvisierte, ständig Anpass- und Verwandelbare, für das Einnisten und das Überbauen des Bestands als Strategie, für die Ermächtigung derer, die sich bauen eigentlich nicht leisten lönnen; die Herstellung teurer, CO2-intensiver Betongebilde war ihm vor allem im Alter zunehmend suspekt."

Ein "Who's who" der zeitgenössischen mittelamerikanischen Architektur, darunter Derek Dellekamp, Tatiana Bilbao oder Michel Rojkind, hat sich in Mexiko im Auftrag des Laboratorio de Vivienda Gedanken zu preiswertem sozialen Wohnungsbau gemacht, staunt Andreas Kühnlein im ad-magazin. Entstanden sind 32 Einfamilienhäuser aus "Wellblech, Ziegelstein, Beton, viel Holz. Gemein bei aller Vielgestalt ist den Entwürfen ihr Spiel mit geometrischen Grundformen, vom eindrucksvollen Tonnengewölbe Frida Escobedos bis zum Satteldach, unter dem Jorge Ambrosi und Gabriela Etchegaray einen einzigen, durchgehenden Raum verstauten. Vor allem in einem sind sich die Architekten dabei aber einig: dem konsequenten Rekurs auf die vernakuläre Bautradition ihres Landes, auf formal und funktional dem jeweiligen Klima geschickt angepasste und über Jahrhunderte entwickelte Typologien, die so etwas wie die anonyme Volksarchitektur Mexikos bilden. Nicht das nie Dagewesene, eher das Bewährte neu gedacht: modulare Gerüste, verschiebbare Paneele, passive Klimatisierung, angepasst an schmale Budgets und die verfügbaren Ressourcen. Die meisten der 32 Häuser sind sogar so konstruiert, dass sie die künftigen Bewohner mehr oder weniger selbst zusammensetzen könnten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.02.2020 - Architektur

Dass die Zukunft nicht in den Städten, sondern auf dem Land geschrieben wird, lernt Sabine von Fischer (NZZ) in der Ausstellung "Countryside, The Future" im New Yorker Guggenheim-Museum, in der Rem Koolhaas mit seinem Team auf die Bedeutung der ländlichen Gebiete aufmerksam macht. Wo heute noch Kuhweiden zu sehen sind, werden künftig Serverfarmen stehen: "Den Indoor-Plantagen, in denen fahrende Roboter unter rosa Kunstlicht das Wachstum von Kressen oder Tomaten überwachen, ist eine ästhetische Wirkung nicht abzusprechen. Der Befund der Landwirtschafts- und Lebensmitteltechnologie ist nämlich, dass nicht das Sonnenlicht, sondern ein Magenta-Farbspektrum das Wachstum der Pflanzen am meisten fördere. Prominent sind Bilder von Indoor-Plantagen in der Ausstellung montiert, und für die halbjährige Dauer der Schau steht auch ein weißer Container mit einer solchen Indoor-Plantage neben einem riesigen Traktor auf dem Trottoir vor der eleganten Spirale des Museums." Für die Zeit bespricht Tobias Timm die Ausstellung.

Im Welt-Interview mit Rainer Haubrich spricht Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss über die enorme Spendenbereitschaft für den Wiederaufbau und die politische Botschaft des Schlosses: "Durch die Wiederaufführung des Schlosses in seiner großartigen Ästhetik wird die nötige Rückbesinnung auf die einstige Schönheit unserer Städte gestärkt, die durch Krieg und Nachkriegszeit verloren ging. Wenn Architekten und Bauherren begreifen, dass die Schönheit wieder höchste Priorität haben muss neben der zur Monotonie neigenden Nützlichkeit, dann kann die Rückkehr des Schlosses als Vorbild viel bewirken. Vielleicht wächst auch die Erkenntnis, dass die Stadt nicht nur zum Konsum da ist, sondern dass man sich für sie zum allgemeinen Nutzen engagieren sollte."

In der SZ erzählt Thomas Steinfeld die Geschichte des neapolitanischen Viertels Scampia, dessen Wohntürme und Blocks Stück für Stück abgerissen werden. Vom historischen Zentrum Neapel aus "sollte die Bevölkerung in lichte und luftige Wohnungen überführt werden, die Le Corbusiers Konzept der 'Unité d'Habitation' (der 'Wohnmaschinen') folgen, zugleich aber vertraute Elemente der Altstadt in sich aufnehmen sollten: Durchgänge, schmale Gassen, kleine und große Piazzen (die später erheblich dazu beitrugen, die Arbeit der Polizei zu erschweren). Das Leben sollte, wie zuvor, weitgehend im Freien stattfinden. Zum gleichfalls geplanten Bau von Einkaufsmöglichkeiten, sozialen oder kirchlichen Einrichtungen oder gar Parks kam es allerdings kaum, vermutlich aus Gründen der Spekulation. Als ein Erdbeben dann im Jahr 1980 Teile des historischen Zentrums unbewohnbar machte und die nunmehr Obdachlosen in Scampia unterkamen, fiel die Macht im Viertel an mafiöse Gruppen, die das Viertel zu einem Zentrum des Drogenhandels machten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.02.2020 - Architektur

In der SZ berichtet Jens Bisky über Pläne zur Gestaltung der Freiflächen rund ums Humboldt-Forum. Größtes Problem: Man möchte zwar viele Touristen, aber keine Reisebusse rumstehen haben.