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1 Presseschau-Absatz

Magazinrundschau vom 11.08.2003 - ES

Nun sorgt Ernst Nolte für Debatten in Ungarn. In Reaktion auf einen Artikel vom 13. Juni in der Tageszeitung Nepszabadsag über Ernst Noltes Besuch im Budapester "Haus des Terrors" erschien in der ES eine mit "ein Überlebender" unterzeichnete Glosse, in der Nolte und der Leiterin dieses Hauses vorgeschlagen wird, "die Gaskammern, die mit einem leichten Tod locken, doch einmal auszuprobieren". Dies löste eine längere Diskussion aus, die von Empörung über den "Überlebenden" bei Maria Schmidt (Direktorin des "Hauses des Terrors") und Andras Gero bis zur Verteidigung des "Überlebenden" bei Tamas Koltai reicht. Koltai findet, wer sich über so einen Vorschlag empöre, setze "ein Gleichheitszeichen zwischen wirkliche und virtuelle Tötung". Gegen Koltais Bezeichnung "simpler Schuft" setzte sich wieder Nolte zur Wehr: "Nur absichtlich Unwissende oder Agitatoren können bestreiten, dass die Verfolgung der 'Bourgeoisie' in Russland viel härter und gnadenloser war als die Verfolgung der Juden in den ersten Jahren des 'Dritten Reichs'." Gegen Noltes These, ohne die Vernichtung der Bourgeoisie hätte es keinen Holokaust gegeben, wendet sich in dieser Woche Andras Hanak, der Nolte vorwirft, "Hitlers Taten und Schriften auf die psychiatrische Couch" zu setzen. Laszlo Karsai hält den Vergleich dieser Vernichtungsaktionen in Russland und dem Dritten Reich für grundsätzlich falsch: Durch seinen Vergleich erschaffe Nolte erst "den 'zu Recht' vor den (judeo-) Bolschewiken zitternden Nazi. Nicht die Nazis zitterten vor den Bolschewiken, sondern Nolte fürchtete sich übermäßig vor seinen radikalisierenden linksgerichteten Schülern, und diese Furcht projizierte er auf Hitler und die Nazis."