
Nur noch ein Drittel der Niederländer glaubt, dass ihre Kinder einmal so
glücklich leben können wie sie selbst,
zitiert Chefredakteur Hubert Smeets eine aktuelle Studie des Zentralen Statistikbüros (cbs). Für ihn ist die Forderung der Politiker nach mehr Optimismus vor allem
ökonomisch motiviert. Damit die Niederlande weiter wirtschaftlich erfolgreich sind, müsse sich jeder einzelne Bürger permanent darum bemühen "besser zu leben und glücklich werden. Denn
unglückliche Menschen sind an allem Möglichen schuld: An schlechten Ehen und Single-Haushalten (erhöhtes Alkoholismusrisiko), an verwahrlosten Kindern (Extrakosten für Jugendämter), an erhöhtem Krankenstand in Unternehmen (reduziertes ökonomisches Wachstum), an Depressionen (wer bezahlt dann die Therapeutenrechnung?) und weiterem Ungemach, den dann das Kollektiv auffangen muss."

Im Literaturteil
wirft Reinier Kist einen Blick in die
Lektorate niederländischer Verlage und entdeckt dort statt Glück nur "Druck, Druck, Druck". Die Lektoren stehen zunehmend vor der schier unlösbaren Aufgabe, für immer mehr Titel immer mehr Aufmerksamkeit zu generieren. "Wir sind chronisch unterbesetzt, nur selten kann ich in Ruhe arbeiten" zitiert Kist einen freien Lektor, der anonym bleiben will: "Ich bekomme
6,40 Euro pro Stunde bezahlt. Für jedes Manuskript wird eine bestimmte Stundenzahl veranschlagt, doch so schnell ich auch arbeite, es ist immer zu wenig Zeit. Du bist in einem permanenten Stress gefangen, so dass Du auch viele Fehler übersiehst. Doch für diesen Stundenlohn setzt sich niemand ein zweites Mal dran." Die Folge: Manches Buch sei so schlampig redigiert wie "die Speisekarte eines
Analphabeten-Bistros in den Außenbezirken von Hoenselaarsbroek".