Die
FAZ druckt
Doron Rabinovicis Rede zum siebzigsten Jubiläum des
Leo-Baeck-Instituts, der "zentralen Institution jüdischer Geschichtsforschung". Die bittere Lehre, aus der es entstand, resümiert er so: "Was mit den Nürnberger Rassegesetzen ausgelöscht wurde, war nicht die
Emanzipation, denn die war nie vollzogen worden, sondern alleinig die Hoffnung darauf. Aber nach Auschwitz ist der Glaube an die Mär von der Emanzipation keine schöne Vision mehr, sondern nur noch eine Beschönigung der Vergangenheit. Was einst eine Verheißung für die Juden war, ist nun zur Verhöhnung der Opfer geworden. Die Differenz im Nachhinein zu verleugnen, heißt zu negieren, was zur Vernichtung von Millionen führte."
In der
FR erinnert Claus Leggewie an den
Putsch in Algerien vor sechzig Jahren, mit dem
Houari Boumedienne sein Militärregime errichtete - vor der laufenden Kamera
Gillo Pontecorvos, der die Ereignisse in seinem preisgekrönten Film
"La Battaglia di Algeri" dokumentierte: "Die Bevölkerung soll es
als Filmkulisse wahrgenommen haben, dass während der Dreharbeiten Armee-Panzer in Algier Stellung bezogen; dabei sicherten diese den Putsch des damaligen Verteidigungsministers Oberst Houari Boumedienne gegen den Staatspräsidenten
Ahmed Ben Bella. Gewissermaßen vor laufender Kamera entmachteten ihn Offiziere, die bis 1962 an Tunesiens Außengrenze der Kolonie eher wenig in den Befreiungskampf involviert waren, womit auch sozialistische Experimente der
Arbeiterselbstverwaltung ein Ende fanden. Boumedienne nutzte den FLN-Mythos für panafrikanische und tiersmondistische Propaganda (etwa beim Panaf-Festival 1969), während sich das Land in eine von Militärs und Sicherheitskräften beherrschte Autokratie verwandelte; wie Algerien vollzogen fast alle Befreiungsbewegungen der 'Dritten Welt' ihre Verwandlung in
Unterdrücker von Freiheit."